Österreich, Schweiz

website

Plötzlich geht alles ganz schnell: Drei Tage intensives Fahren mit einem ersten Kulturschock bringen uns über Österreich zurück in die Schweiz, die uns wettermässig so gar nicht herzlich willkommen heissen will. Umso wärmer fällt die Begrüssung unserer Familie und Freunde aus.

Kurz nach der Grenze von Slowenien nach Österreich überrascht uns in einem Cafe die Präsenz der deutschen Sprache. Gerade will das gewohnte „Two coffees please“ über unsere Lippen rollen, als es uns dämmert, dass es damit nun vorbei ist und wir nunmehr wieder unsere Muttersprache benutzen können. Der richtige Kulturschock kommt aber erst etwas später. Als wir bei einer Kreuzung auf freie Fahrt warten ertönt von rechts plötzlich lautes Knattern. Von einem Polizeimotorrad angeführt fahren kurz darauf minutenlang hunderte grosse, laute, glänzende Motorräder an uns vorbei. Es scheint, als gäbe es an diesem Tag irgendwo ein grosses Treffen, nur so erklären sich die übervollen Strassen an zur Schau gestelltem, blankpoliertem Metall. Obwohl wir selber auf einem Motorrad unterwegs sind, können wir diese Kultur nicht verstehen und schauen einander nur fragend an. Erstaunlich, wie die Stellung unserer Transalp im gesellschaftlichen Licht ständig ändert: Während sie in Vietnam als das grosse, teure Gefährt der Westler angesehen wurde und wir ständig gefragt wurden, wie teuer denn dieses sei, gilt sie hier neben den Luxusmotorrädern höchstens noch als abgestaubtes Ersatzteillager. Uns ist es Recht so und mit Gelächter stellen wir fest, dass wohl ein einziges dieser Motorräder so teuer war, wie unser gesamtes letztes Jahr inklusive Motorrad.

Trotz des vielen Verkehrs kommen wir noch in den Genuss der Österreichischen Natur. Die Berge strahlen prachtvoll im spätsommerlichen Sonnenlicht. Am frühen Nachmittag überqueren wir den Grossglockner Pass, gerade noch rechtzeitig, bevor er für den Rest des Nachmittages für ein Autorennen gesperrt wird. Es wartet die letzte Nacht „im Ausland“ auf einem Campingplatz, denn am folgenden Tag überqueren wir am frühen Nachmittag bereits die Grenze zur Schweiz. Zuvor aber schlendern wir durch die Altstadt von Innsbruck und geniessen einen herrlichen Apfelstrudel. Unterwegs auf einer grünen Wiese legen wir uns an die Sonne und stellen uns darauf ein, in weniger als 20 km wieder Schweizer Boden unter die Füsse, bzw. die Räder, zu bekommen.

 

Mit Herzklopfen fahren wir über die Grenze, lassen unser Carnet de Passages abstempeln, welches wir zuletzt im Iran gebraucht haben. Wie weit das jetzt weg scheint! „Mersi adiö“ und auf geht’s.

 

Im Engadin kurz vor dem Albulapass finden wir wiederum einen schönen Campingplatz, wo wir über der Feuerstelle eine Cervelat brätlen, dazu Züpfe essen, die Berge anschauen und dem Alphorn zuhören, welches just in diesen Minuten zu spielen beginnt. Nebst der Kälte spüren wir in dieser Nacht auch ein kleines mulmiges Gefühl – ab morgen haben wir wieder eine eigene Wohnung. Wie sich das anfühlen wird?

Der Weg nach Bern soll aber noch lang werden. Als wir morgens aufwachen, hören wir Regentropfen. Zum ersten Mal auf unserer Reise packen wir also unser Zelt nass zusammen, ziehen uns gut an und fahren los. Kalt, neblig und verhangen wie es ist, sind die Strassen menschenleer, wo haben sich denn all die Schweizer verkrochen? Vom Albula geht’s über Andermatt zum Oberalppass, nass und nässer wird’s und etwas später wartet der Susten mit Temperaturen auf uns, die uns gar nicht mehr geheuer sind. Sollen wir doch wieder umkehren? Am Brienzersee tut sich kurzfristig ein Sonnenfenster auf, wir machen Pause, um gleich danach bei der Weiterfahrt wieder völlig durchnässt zu werden. Und dann taucht doch noch das Ortsschild auf, welches zugleich Freude und auch Wehmut in uns auslöst: „Bern“. In unserem Quartier ist autofreier Sonntag, wir dürfen trotzdem die kurze Strecke zu unserer Wohnung fahren, wo auch schon ein kleines Empfangskomitee wartet. Und so erreichen wir nach knapp einem Jahr Weltenbummlerei unser Ziel – unsere wunderbare Reise geht zu Ende.

Dieser Blog hingegen ist noch nicht ganz ausgeschrieben, es lohnt sich, in den nächsten Wochen noch vorbeizuschauen: Rückblicke, Best-of Listen und mehr erwarten euch. Dennoch wollen wir hier die Gelegenheit nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen, uns bei allen LeserInnen zu bedanken: Danke fürs Mitlesen, Mitfiebern und so auch Mitreisen, danke für alle Kommentare und alles Anteilnehmen, wir hoffen, euch gwundrig gemacht zu haben auf alles, was sich da draussen noch so verbirgt. Unser Gwunder auf jeden Fall ist noch lange nicht gestillt und es stimmt, was uns jemand geschrieben hat: „In einem halben Jahr seid ihr eh wieder unterwegs“ (naja, etwas länger wird’s wohl schon dauern).

 

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht obligatorische Felder sind markiert *

*

*

Bitte gib vor dem Absenden die Lösung folgender Rechnung ein (Anti-Spam). Danke! *