RÜCKBLICK OSTEUROPA

website II

Osteuropa, die vierte und letzte Etappe unserer Reise, birgt einige unerwartet schöne Flecken. Istanbul lassen wir hinter uns und alles was dann kommt ist Europa.

Auf den letzten 5‘000km unserer Reise bestätigt sich unsere Erfahrung nochmals aufs Neue: Spannende Länder, abwechslungsreiche Landschaften und die Unmöglichkeit alles in einen Topf zu schmeissen. Wir geniessen den Abschluss unserer Reise und das langsame Nachhause-Fahren.

Simon

Unweigerlich kommen wir früher oder später nach Hause. Das waren wir uns sehr wohl bewusst. Noch offensichtlicher wurde es, als wir Bulgarien erreichten. Die Landschaft erinnerte an die Heimat, die Kultur auch schon fast, die Religion ebenso. Fehlte nur noch die Sprache. Spätestens als wir unseren ersten Kaffee in Österreich auf Deutsch bestellten war es um den letzten Unterschied geschehen. Rumänien war auf diesem Abschnitt für mich die grosse Überraschung. Die schön restaurierten mittelalterlichen Städte, die saftig grüne Landschaft und die kargen Gebirge bleiben mir sehr gut in Erinnerung. Allgemein kann man sagen, dass sich die Vorstellungen – oder besser Vorurteile – die ich von dieser Region hatte, nicht bewahrheitet haben. Besonders schön war es auch in Rumänien bei einer Familie übernachten zu dürfen. Die weiten Wälder, die Felder haben hier andere Dimensionen als man sie von der Schweiz kennt.

Eine sehr gute Erfahrung war es auch durch die Balkanländer fahren zu können, obwohl ich vor fünf Jahren schon mal mit dem Zug durch diese Region fuhr. Im Begriff Balkan zeigt sich schon schön die bereits angesprochene unangemessene Verallgemeinerung. Der schon fast orientalische Bazar von Sarajevo ist keine 200km von den touristischen Badestränden von Kroatien entfernt. Zu sehen, wie viele Völker und Kulturen auf so engem Raum hier leben, trug auch etwas dazu bei, die Vergangenheit ein wenig besser zu verstehen. Die Vergangenheit dieser Region besser zu verstehen, ist eine bleibende Erfahrung dieser Reise. Das gebe ich ja sehr ungern zu, aber die Investitionen der EU die in diese Länder fliessen scheinen doch einige Fortschritte in der Infrastruktur gebracht zu haben.

Die Natur in Slowenien ist schlicht überwältigend. Besonders die Sauberkeit der Gewässer stellt praktisch alles bisher Gesehene in den Schatten. Tiefblaue Seen und unglaublich klare Flüsse voller Fische neben schroffen Bergen die bereits den Rand der Alpen darstellen. Mit dem Beginn der Alpen war die Schweiz auch nicht mehr weit. Tatsächlich waren wir, als wir Slowenien verlassen hatten, bereits drei Tage später zurück in Bern. Zu Hause, könnte man sagen, je nachdem wie man das definiert. Wir haben uns in jeder fremden Kultur anpassen müssen, hier in der Schweiz wird es nicht anders sein.

Joséphine

Denke ich an den letzten Monat zurück, der uns von Istanbul durch 7 Länder zurück in die Schweiz führte, rückt eine Erkenntnis in den Vordergrund: Osteuropa war überraschend. Wenn man in der Schweiz diese Region und insbesondere die Balkanregion charakterisiert, fasst man meist alle betreffenden Länder grosszügig zusammen – zu Unrecht, finde ich. Jedes der Länder ist einzigartig, die Kultur, Landschaften und die ganze Atmosphäre verändert sich mit jeder Grenzüberquerung. Besonders in Erinnerung bleiben wird mir die Aussicht auf die Stadt Sarajevo, deren umliegende Hügel übersät sind mit weissen Grabmalen. Der Krieg, so nah, geografisch und zeitlich gesehen, wurde mir hier erstmals so richtig bewusst.

Schockiert haben mich meine eigenen unbestimmten Bilder und Vorstellungen, die leise und völlig unbemerkt irgendwo in meinem Hinterkopf schlummerten, wenn Länder wie Rumänien oder Bosnien zur Sprache kamen. Ich wurde eines besseren belehrt und konnte mir in jedem Land meine Vorurteile abstauben lassen. Dies verdanken wir auch den vielen lieben Menschen, die uns an ihrem Leben teilhaben liessen.

Von den Bergen zum Meer, von Dörfern zu Städten, der letzte Monat war vielfältig. Besonders genossen habe ich die leuchtenden Farben, das nasse, sattgrüne Gras in Rumänien, das smaragdblaue Wasser in Kroatien neben den flammend roten und orangen Gräsern.

Auf der Fähre auf eine kroatische Insel, inmitten von vielen Touristen, überfiel mich eine erste Fernweh-Welle. Jetzt irgendwo in der Wildnis sein… Der Horizont so weit wie die Reise lang – ein Seufzer und gleich darauf ein Lachen, denn zu Ende war die Reise ja damals noch nicht. Seit diesem Augenblick hat sich meine leise Vermutung bestätigt, dass Fernweh nicht heilbar ist, im Gegenteil. Je mehr ich sehe, desto mehr zieht es mich auch wieder weg, in die Ferne. Die langsame Rückkehr, Land für Land, Kilometer um Kilometer, war einerseits sanft und schleichend, andererseits auch quälend: nie lag das Ende unserer Reise näher als in diesen Tagen.

Die Mischung der Gefühle, als ich zum ersten Mal wieder unsere Haustür aufschloss, ist kaum benennbar. Grosse Dankbarkeit, Freude, doch auch Wehmut und Befremdung. Für die nächste Zeit läuft es einmal umgekehrt: wir müssen uns nicht in fremde Kulturen einfinden, sondern unsere eigene wieder entdecken, ohne all die gemachten Erfahrungen zu vernachlässigen. Gelingt uns das, haben wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur wahren Kunst des Reisens geschafft.

 

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht obligatorische Felder sind markiert *

*

*

Bitte gib vor dem Absenden die Lösung folgender Rechnung ein (Anti-Spam). Danke! *