Cornwall: Einblicke ins ländliche England


 
4
 
Von der Grossstadt aufs Land, von London nach Cornwall, wo alles einen Schritt langsamer läuft: Das ist unsere nächste Station. Über die Plattform Workaway haben wir hier ein B&B/Café gefunden, wo wir für Kost und Logis arbeiten können. Gespannt setzen wir uns in den Zug und tuckern gemütlich in den Süden.
 
Wir werden von Jeremy abgeholt. Bodenständig, ruhig und mit verschmitzten Augen ist er uns sofort sympathisch. Er und seine Partnerin Sarah haben im Freathy Farmhouse ein kleines Paradies geschaffen: Einst ein Bauernhaus, ist nun das Haupthaus in ein B&B mit drei Zimmern umgebaut. Alles darin wurde von Grund auf selber gebaut oder renoviert, viele alte Stücke haben eine neue Funktion gefunden und alles zusammen vermischt sich zu einem kreativen, rustikalen, und doch unübersehbar englisch romantischen Stil. Das Herzstück des Hauses bildet die grosse Landhausküche, in der Sarah den Kochlöffel schwingt. Daneben gibt es einen grossen Garten und diverse „Schöpf“, die alle für etwas anderes gebraucht werden. So gibt es „The old Milking Parlour“, den alten Melkstall also, der heute als Innenraum des Cafés genutzt wird. Im hinteren Teil des Gartens steht die „Wedding Barn“, die sich mehr und mehr zu einer gefragten Hochzeitslokalität mausert. Werkstätte, Holzlager, Abstellräume, Vorratsräume – all das findet sich in den anderen Teilen des Gehöfts. Dazwischen weitere Familienmitglieder: 8 Hunde, deren individuelle Charakteren wir in den nächsten Wochen genau kennenlernen werden. (Mabel, die Schlafende, Flow, das Kalb, Mim, der Wuschel, …). Dazu kommen zwei liebenswerte und kuschlige Katzen (Molly und Noam), eine freiheitsliebende Gans und ein paar Hühner.

Neben uns sind in der ersten Woche noch ein spanisches Pärchen anwesend, die ebenfalls einen Workaway Einsatz machen. Sie helfen uns in dem anfänglich noch recht verwirrlichen Alltag. Wann passiert wo was? Was muss für den Café Betrieb vorbereitet werden? Wie wird das Gästebett richtig bezogen? Wir merken bald, dass wir an regnerischen Tagen das Buch nicht zu weit weg liegen haben sollten, während es an einem sonnigen Tag ziemlich hektisch werden kann. Wenn mittags auf einmal unerwartet viele Gäste kommen, die zum Essen bleiben wollen, muss alles reibungslos laufen. Wir staunen über Sarahs Geschick, alles im Griff zu behalten und ihre Augen überall zu haben. Hier noch ein Panini toasten, dort die Tomaten in den Ofen schieben, gleichzeitig die Kartoffeln nicht anbrennen lassen, etwas mehr Mayonnaise in die Sauce, und – Achtung – dort noch ein Erdbeeri in die Mitte gesetzt. Alles, was die Küche verlässt, sieht absolut perfekt und gourmetverdächtig aus – und schmeckt auch so. Die Rückmeldungen sind fantastisch.

Von ihrem eigenen Erfolg überwältigt drängen sich auf der Farm momentan wichtige Fragen auf. Die grosse Nachfrage nach der Hochzeitsscheune legt die Idee nahe, in Zukunft den Hauptschwerpunkt darauf zu legen. Viele Entscheide müssen gefällt werden, was neben dem hektischen Alltag und praktisch ohne freie Tage an den Kräften zehrt. Wir versuchen, so gut wie möglich zu entlasten. Nach der ersten Woche haben wir halbwegs den Dreh raus und fühlen uns mehr und mehr nützlich. Das spanische Pärchen reist wieder ab, dafür kommen zwei junge Polinnen dazu. Jetzt können wir bereits bei der Einführung helfen. Das Wochenende ist meist für den Cafébetrieb reserviert, unter der Woche helfen wir bei handwerklichen Aufgaben, flicken Mauern und Dächer, misten den Hühnerstall aus, schreiben ein neues Café-Menü, beziehen die Betten für die B&B Gäste neu, oder unterstützen in IT-Belangen. Die Aufgaben sind so vielfältig, dass die Tage schnell verfliegen. Neben dem Arbeiten absolviert Simon online ein Zertifikat, mit dem er Englisch unterrichten werden kann – eines der Ziele unseres England-Aufenthalts.

Das Wetter lernen wir zu nehmen, wie es ist. Es kann stündlich ändern, und stimmungsvoll ist es in diesem Teil Englands sowieso, egal, welche Laune das Wetter gerade an den Tag legt.

Zwei Tage die Woche haben wir frei. Wir spazieren zum 10 Minuten entfernten Meer, besuchen einmal den beliebten Badeort St. Ives, und machen eine Wanderung zum Rame Head, wo auf malerischen Felsen eine alte Kapelle steht. Auch die touristischeren Dörfchen Kingsand-Cawsand lassen wir nicht aus. Die Küsten hier sind rau und pittoresk, naturbelassen und schön. Umso grösser sind jeweils das Erstaunen und das Gelächter, wenn auf einmal hinter einer Kurve einer der typisch englischen doppelstöckigen Busse auftaucht! It’s Britain!

Bilder: Einblicke ins Haus, Café und Wedding Barn, Küste vor unserem Haus, Ausflug nach St. Ives bei Ebbe, Spaziergang zur St. Michaels Chapel zu vorderst auf der Halbinsel, Kingsand-Cawsand und Blick über Millbrook.
 

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht obligatorische Felder sind markiert *

*

*

Bitte gib vor dem Absenden die Lösung folgender Rechnung ein (Anti-Spam). Danke! *