Ein neues Zuhause


 
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Das neue Jahr fängt mit grossen Veränderungen an: Wir ziehen um. Auf diesen Moment haben wir uns gefreut, seit wir unserer neuen Wohnung zugesagt haben. Zusammen mit unserem neuen Mitbewohner Andre fahren wir mit einem Tuktuk und unserem ganzen Hab und Gut – also nicht besonders viel – in unser neues Zuhause.

Leider erwartet uns unser Häuschen etwas weniger sauber als erwartet und wir starten erstmals eine grosse Putzaktion. Schnell fühlen wir uns aber sehr wohl. Glücklicherweise können wir einige Möbel übernehmen, sodass wir nicht alles neu anschaffen müssen. Dennoch, einige Einkäufe müssen noch getätigt werden. Die richtigen Orte dafür zu finden, ist gar nicht so einfach: Entweder irrt man durch die langen, chaotischen Gänge der überstellten chinesischen Supermärkte, die über rein gar keine Logik verfügen wie die Produkte angeordnet sind, oder aber man sucht in den grossen Markthallen, wo sich ein Shop an den anderen reiht und die Übersicht auch nicht besser ist. Wir lassen uns nicht stressen und nehmen uns Zeit. Nach und nach finden wir so fast alles, was wir im täglichen Leben so brauchen und lernen so erst noch unser Quartier besser kennen.

Es ist schön und faszinierend zugleich, nun ausserhalb des Touristenzentrums zu wohnen. Zwar ist alles weniger herausgeputzt, die Strassen staubiger und das Verkehrsaufkommen intensiver, doch es ist auch schlicht viel authentischer. Während man auf der Halbinsel manchmal fast vergessen könnte, dass man in einem immer noch enorm armen Land lebt, wird im „Dorf“ die Lebensrealität der Menschen viel klarer sichtbar. Dass wir zwischen diesen beiden Welten hin- und her pendeln können, ist ein Privileg, dem wir uns hier sehr bewusst sind – das wir aber auch gerne ab und zu wahrnehmen. Auf der Halbinsel einen köstlichen Kaffee trinken zu gehen geniessen wir ebenso, wie im Nachbarslädeli einkaufen zu gehen und damit die Familie zu unterstützen.

Ab nächster Woche starten wir beide zusammen einen Intensivkurs Laotisch und hoffen, uns dann noch besser verständigen zu können, auch gerade mit den Nachbarn.

Ein neuer Klangteppich untermalt nun unseren Alltag. In der Früh ziehen die Mönche in ihren safranfarbigen Roben singend durch die Strassen und sammeln Almosen. Sobald die Sonne scheint, hört man dann die Nachbarn plaudern und in den grossen Mörsern den Jeow stampfen (das ist ein Dip, der zum Klebereis gegessen wird). Die Mutterhenne mit vielen kleinen Küken gackert vor unseren Fenstern und die 3 prächtigen Hähne krähen. Morgens hat es ein bisschen mehr Verkehr als tagsüber, ein Scooter nach dem anderen brummt vorbei. Die rabiate ältere Nachbarin scheucht mit lauter Stimme die Hunde weg, die zu nah an ihr Haus kommen oder die Hühner, die sich hinter ihren Salat machen. Am Wochenende oder gegen Abend hört man die Musik von einem Restaurant auf der gegenüberliegenden Strassenseite, manchmal auch schief gesungene Karaoke. Bald einmal ist es aber abends ruhig und es hallt nur noch das Zirpen der Grillen und Keckern der Geckos durch das Haus.

Simon fährt morgens die paar Kilometer mit dem Scooter zur Arbeit – er ist nun als Manager im Hotel angestellt – und Josephine arbeitet momentan meist von zu Hause aus für verschiedene Auftraggeber als Freelancerin. Dies ist praktisch, denn noch kommen viele Handwerker vorbei. Regale werden eingebaut, Steckdosen erweitert, das Internet eingerichtet, Wasser für den Wasserspender geliefert, eine Dusche geflickt, etc.
Die bürokratischen Prozesse um unsere Visas ziehen sich ziemlich zäh, sind aber im Gange. Haben wir bis Ende Februar noch nicht die richtigen Papiere, werden wir noch einmal einen Ausflug ins nahe Ausland machen müssen (Visarun). Wir hoffen aber, dass wir dies vermeiden können.

In der zweiten Januarwoche überrascht uns eine dicke Nebelschicht und eine Kältewelle. Während einigen Tagen wird es nie wärmer als 15°c, was ohne Heizung und mit vielen Fenstern ohne Glasscheiben zur echten Herausforderung wird. Wir ziehen Schicht um Schicht an. Wer hätte gedacht, dass wir auch in Laos mal mit Halstuch schlafen würden? Bald ist die Phase aber vorbei und der Thermometer steigt wieder auf angenehme 25-30°c.

Es scheint, als würde unser Leben hier in Laos erst mit dem Einzug in das Haus richtig beginnen. Erst jetzt kann sich langsam ein Alltag einpendeln und so wird sich auch erst jetzt zeigen, ob wir für das Leben hier tauglich sind. Wir sind jedoch sehr zuversichtlich, dass dies der Fall sein wird und können uns vorstellen, noch lange im blauen Haus in Nasamphanh wohnen zu bleiben. Fingers crossed!
 

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