Regenzeit in Luang Prabang


 
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Der Regen fällt aufs Dach, mal leise plätschernd, mal konstant rauschend und manchmal wirds auch richtig laut, besonders in der Küche, wo uns nur ein Blechdach vom grauen Himmel trennt. Die Regenzeit hier ist gemütlich. Nur wenige Touristen sind um diese Zeit in Luang Prabang, vieles steht still oder läuft zumindest einen Gang ruhiger. Wir geniessen es und passen uns dem gemächlichen Tageslauf an.

Regenzeit heisst aber nicht, dass es konstant regnet. Ab und zu gibt es auch Sonnentage, dann strahlt alles, die Strasse ist voller Leute und überall hängt Wäsche. So ist die Regenzeit – oder Green Season, wie es hier auch heisst – alles in allem viel angenehmer als wir es uns vorgestellt hätten.

Im Juni – noch bevor die Regenzeit so richtig beginnt – bekommen wir unseren ersten Schweizer Besuch. Simons Vater besucht uns auf der Heimreise seiner Ferien für ein paar Tage in Luang Prabang. Wir geniessen die Zeit zusammen und es ist auch für uns spannend, ihm die Highlights von Luang Prabang zeigen zu können und so nochmals einen neuen Blick für diese Stadt zu entwickeln. Phousi Mountain, Kuang Si Wasserfälle, Pak Ou Höhlen, einige eindrückliche Tempel in der Stadt, und natürlich die schönsten Cafes gehören zu den Programmpunkten, nebst den Einblicken in unser Leben und Arbeiten hier.

Im Juli nehmen die Regenstunden langsam zu und wir gewöhnen uns daran, unseren Alltag dem Wetter anzupassen. Bei Simon nimmt die Besucherfrequenz im Hotel langsam ab, sodass er nur noch halbtags anwesend sein muss. Joséphine kann weiterhin einige Arbeiten für Ock Pop Tok übernehmen und hat daneben sonst noch einige Projekte, doch der Grundrhythmus ist für uns beide gemächlich und wir verbringen viel Zeit zu Hause, was wir geniessen. So können wir uns auch wieder etwas mehr dem Laotisch-Studium widmen. Ein zuverlässiger und talentierter Lao Lehrer unterstützt uns dabei zwei Mal die Woche.

Um Abschied von seiner verstorbenen Grossmutter nehmen zu können, reist Simon Anfangs Juli kurzfristig in die Schweiz. Ein kleiner Kulturschock überrascht ihn, doch daneben geniesst er die Zeit mit Familie und Freunden. Vom mitgebrachten Käse zehren wir danach noch während einiger Wochen, Stichwort «Nähme mir nones Schnifeli?»

Mit Staunen beobachten wir, wie sich die Wassermassen mehren. Wo während der Trockenzeit ganze Sandbänke als Strand benutzt werden können, steht nun meterhoch Wasser. (In der Fotogalerie hat es zwei Vorher-Nachher Bilder). Ende Juli bricht in der südlichen Provinz Attapeu in Laos ein Damm und überschwemmt acht Dörfer, 16000 Menschen sind betroffen. Die Sorge um ähnliche Ereignisse geht in ganz Laos um. Das konstante Vorhandensein von Wasser nagt an allem: Räume werden feucht, nichts trocknet mehr so richtig, die Strassen werden arg strapaziert und die Schlaglöcher sind endlos. Umso mehr schätzt man die Sonne, wenn sie mal scheint.

Wir unternehmen nochmals einen Ausflug in den Botanischen Garten, wo sich der Ausdruck «Green Season» in seiner ganzen Bedeutung zeigt. Alles wächst und gedeiht, üppig und wunderschön. Auch in unserem Garten zu Hause tut sich einiges. Ein Bambuszaun hält nun die Hunde davon ab, unsere Pflanzen auszubuddeln. Wir ernten eine Menge Spinat und Frühlingszwiebeln und geniessen frische Minze und Thai Basilikum. Eine Bambuspergola wartet darauf, überwachsen zu werden. Unsere Katze Yuki erkundet alles neugierig. Nach anfänglicher Skepsis und nach einigem Fauchen akzeptiert sich auch ihren neuen Freund: einen kleinen Pflegekater, der nun auch bei uns wohnt und der ihr und uns mit seiner noch sehr verspielten Art viel Spass bereitet.

Mit Spannung erwarten wir den September und Oktober. Auf dem Heimweg von der Schweiz nach Australien besucht uns Joséphines Schwester anfangs Monat für einige Tage. Nach zwei Jahren ist ein Wiedersehen mehr als überfällig! Wir freuen uns sehr auf die Zeit zusammen. Danach wartet Mitte September ein ganz anderes Abenteuer auf uns: Um am Hochzeit unserer Freunde in Jerusalem teilnehmen zu können, reisen wir nach Israel. Wir verbinden das Fest mit Ferien im Land und werden gesamthaft drei Wochen dort verbringen. Danach sind wir rechtzeitig für die Festlichkeiten von Boun Ork Phansa und Boun Lai Heua Fai zurück, dem Ende der buddhistischen Fastenzeit wie auch der Regenzeit, was mit vielen Festlichkeiten und vielen schönen Lichtern in der Stadt verbunden ist. So werden wir euch hoffentlich im nächsten Blogeintrag ein paar schöne Fotos bescheren können!
 

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