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04.11.2015

Ecuador: Marktstadt Otavalo und Quito

Nach einem vergleichsweise einfachen Grenzübergang erwartet uns Ecuador mit überwältigender Andenstimmung. Eine kalte Brise begleitet uns durch die gelblich vergilbten Hügelzüge, die starke Sonne lässt die kahlen Felder dampfen. Unsere Freude, wieder in den Anden zu sein, ist riesig.

Das Städtchen Otavalo ist landesweit berühmt für seinen grossen Samstagsmarkt. Auf einem nahegelegenen Hügel mit Aussicht über die ganze Stadt dürfen wir unser Zelt im Garten eines Hostels aufstellen. Mit zwei Schafen, einem Lama, einem Esel, einem Pferd und zwei Hunden verbringen wir die nächsten Tage, die mit der sich wetterbedingt ständig ändernden Aussicht wie im Fluge vergehen. Hier gewöhnen wir uns wieder an das Zwiebelprinzip: im Schatten, morgens und abends brauchen wir drei bis vier Schichten Kleider, sobald die Sonne hervorkommt, reicht ein T-Shirt. Bevor wir uns nachts bei etwa 8 Grad ins Zelt verkriechen, können wir uns im Gemeinschaftsraum am prasselnden Kamin aufwärmen.

Hier wird nicht nur die Ware, sondern auch der neuste Klatsch und Tratsch sorgfältig abgewogen und verpackt und beim Bezahlen werden nebst dem gewünschten Kleingeld auch gute Wünsche und Grüsse in die Dörfer ausserhalb ausgehändigt.

Samstag ist Markttag in Otavalo: Im Tiermarkt blökt, gackert und grunzt es. Die noch tiefe Sonne des Morgens zaubert langbeinige Schatten und starke Kontraste, der in der Luft hängende Tiergeruch ist fast zu stark für die noch schlaftrunkenen Sinne. Etwas weiter bieten die traditionell gekleideten Frauen Mais und Hülsenfrüchte aus grossen Körben und Säcken feil. Hier wird nicht nur die Ware, sondern auch der neuste Klatsch und Tratsch sorgfältig abgewogen und verpackt und beim Bezahlen werden nebst dem gewünschten Kleingeld auch gute Wünsche und Grüsse in die Dörfer ausserhalb ausgehändigt. Gemüse, Früchte, Waren des täglichen Gebrauchs, Handarbeiten und Touristenschnäppchen findet man verteilt auf die ganze Stadt. Auch wir investieren in Mützen, eine gute Wahl.

Etwas schweren Herzens verabschieden wir uns nächstentags von diesem schönen Ort und von Lucas dem Hund, zu dem sich eine richtige Freundschaft entwickelt hat, sodass es jeweils vor unserem Zelt schlief. Weniger schwer fällt der Abschied von der Tarantel, die es sich unter unserem Zelt gemütlich gemacht hat. Sie jagen wir gerne davon!

Unsere nächste Station ist Quito, unsere erste Stadt auf der Südhalbkugel dieses schönen Planeten. Vor dem Fahren in Millionenstädten graut uns jeweils etwas, doch diesmal erweist es sich als unbegründet: Es sind Feiertage und der Verkehr praktisch inexistent. Eigentlich hätten wir während dem „Dia de los muertos“ (Allerheiligen) eher mit dem Gegenteil gerechnet... Auch der Rest der Stadt ist praktisch vollständig ausgestorben. Nach langem Herumirren auf der Suche nach einem Abendessen rettet uns mal wieder der Chinese.

Auch unser Vorhaben, in der Grossstadt einige Sachen zu erledigen - beispielsweise Kartenmaterial besorgen für die restliche Route - erweist sich als schwierig. Nachdem wir drei Tage hintereinander bei den in Frage kommenden Bücherläden vor verschlossenen Türen landen, haben wir endlich Glück und finden erst noch, was wir brauchen. Wie immer hat das Stadtwandern aber vor allem auch Vorteile. Kleine Gässchen und Treppen, überraschende Ecken und sympathische, einfache Restaurants. Nach und nach kehrt das Leben auf der Strasse zurück: Dann kann man wieder Baumtomaten aus Bastkörben kaufen, nebenan für wenig Geld ein Handy mieten (statt einer Telefonkabine) oder sich wägen lassen und daneben preist ein alter Mann mit monotoner Stimme die aktuelle Tageszeitung an.

Dazwischen absolvieren wir „Höhentraining“: Zuerst klettern wir die halsbrecherischen Leiterchen in der Kathedrale hinauf bis zum phänomenalen Ausblick vom Turm aus, danach statten wir der über ganz Quito herausragenden Madonnenstatue auf dem „Brötchenhügel“ (El Panecillo) einen Besuch ab, Aussicht und Atemlosigkeit (3000 m.ü.M) inklusive.

Nach der Grossstadt folgt für uns nun eine intensivere Zeit des Fahrens. Die nächsten vier bis fünf Tage werden uns an die Küste von Peru bringen.

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