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29.08.2015

Mexiko: Reise in die Vergangenheit

Von Morelia führt uns der Weg in die Golfregion. Einmal quer durch Mexiko sieht man so einiges: Spannende prähispanische Ruinen, lebendige Städte und Dörfer, hässliche Müllhalden, Hochland und Küstenregion. Mexikos Vielfalt auf so kleinem Raum ist schlicht faszinierend.

In den fruchtbaren Ebenen des Hochlandes wird vor allem Ackerbau betrieben, Mais und Quinoa überwiegen. Immer wieder sieht man Plakate von grossen Saatgutfirmen wie dem Schweizer Konglomerat Syngenta. Wir denken an die Bauern, welche sich mit Gentechsorten aus der Schweiz herumschlagen müssen: Saatgutmonopol, Pestizidmonopol, Verbot des wieder Einpflanzen eines Teils der Ernte, eine kurze Suche auf Google bringt ja jede Menge Schweinereien dieser multinationalen Unternehmen zu Tage. Deshalb hier an dieser Stelle eine kleine Schleichwerbung für die Initiative „Recht ohne Grenzen“ (Konzernverantwortungsinitiative), für die momentan in der Schweiz Unterschriften gesammelt werden. (Ende der Schleichwerbung.)

Wenn man von Mexikos Geschichte vor den Spaniern spricht, denkt man in erster Linie an die Azteken oder die Majas. Etliche andere Völker lebten aber vor und auch parallel dieser beiden Kulturen.

Tula ist unser erster Anhaltspunkt. Knapp 100 km nördlich von Mexico City, eine unscheinbare, nicht besonders schöne Stadt, aber nur kurz ausserhalb liegt die ehemalige Hauptstadt der Tolteken. Wenn man von Mexicos Geschichte vor den Spaniern spricht, denkt man in erster Linie an die Azteken oder die Majas. Etliche andere Völker lebten aber vor und auch parallel dieser beiden Kulturen. Von der 700 n. Chr. gegründeten Stadt, zur Blütezeit mit 25‘000 Einwohner ein für die damalige Zeit wichtiges Zentrum, sind noch einige faszinierende Ruinen übrig geblieben. Mehrere Pyramiden, Tempelanlagen und Überbleibsel einer grossen Halle, und teils erhaltene, teils restaurierte Steinmetzarbeiten lassen diese Stadt vor dem inneren Auge wieder aufleben. Noch faszinierender wird aber die Stadt Tajin.

Eine steile und kurvige Strasse bringt uns vom Hochland hinunter an den Golf von Mexico. Als wir die erste Bananenpflanze sehen, realisieren wir auch, dass wir in eine andere Klimazone kommen. Der Föhrenwald weicht einem dichten Dschungel mit Lianen und all den anderen bekannten Vegetationen. Ganze Dörfer sind dem Kaffeeanbau gewidmet. Die Luftfeuchtigkeit steigt merklich mit jedem Höhenmeter weniger auf dem GPS. Als wir so die Landschaft bestaunen, sehen wir plötzlich dutzende Geier kreisen. Spontan denken wir an ein verendetes Tier, was hier auf den Strassen alles andere als eine Seltenheit ist. Bis wir einige Kurven weiter zurückblickend realisieren, dass es der Geruch einer riesigen Müllhalde ist, der die Geier anzieht. Offensichtlich werden hier ganze Lastwagenladungen von Abfall über den Abhang gekippt. Wir können uns nur ausmalen was dies für das Wasser, das aus diesem Tal kommt bedeutet und folglich auch für die Dörfer, die weiter unten liegen und die Menschen die dort leben. Dies kann keine offizielle Deponie sein und doch scheint sie weitherum bekannt und sichtbar zu sein.

El Tajin heisst die alte Ruine in der Nähe von Papantla, einer gegenwärtigen Mexikanischen Stadt. Auch hier lebten im Zeitraum von 600 bis 1200 n. Chr. Tausende von Menschen. Die Stadt kontrollierte weite Teile des heutigen Bundesstaates Veracruz in der Golfregion. So quasi als „Unfall“ wurde die Ruinen von einem Spanischen Tabakinspekteur vor etwa 250 Jahren wieder entdeckt. Wir sind fasziniert von der schieren Grösse der Anlage. Mehrere Stunden spazieren wir zwischen riesigen Steinpyramiden, Palästen, Tempelanlagen und Veranstaltungsgebäuden hindurch immer im Hinterkopf behaltend, dass natürlich nur die aus Stein gefertigten Monumente den Lauf der Zeit überstanden haben. Noch heute wird drei mal am Tage so quasi eine Vorgängerversion von Bungee-Jumping praktiziert: Vier Voladores („die Fliegenden“) lassen sich an je einem, vorher sorgfältig aufgerollten Seil, einen etwa 15m hohen Pfahl runter trudeln. Für den Ursprung dieser Zeremonie werden unterschiedliche Gründe angegeben: Fruchtbarkeitsritual, Regentanz... Wie auch immer, wir denken, dass wir auch gerne mal so fliegen möchten.

Generell fällt uns auf, wie wenig Touristen wir sehen. Einige wenige Mexikanische Besucher aber praktisch keine Gringos. Hauptsaison ist im Winter und so müssen wir unsere übliche Touristenhotstpotsumschiffungen weniger streng nehmen.

So gehen wir dann auch weiter durch ein berühmtes Anbaugebiet von Vanille entlang der Küste in Richtung Süden bis nach Tlacotalpan, eine wunderschön farbigen Kolonialstadt, oder mindestens vom Charakter her eher Dorf. Wunderschön an einem grossen Fluss gelegen - natürlich gibt es Fisch zum Abendessen - geniessen wir die sehr relaxte Atmosphäre, streunen dem Schatten nach durch die Gassen, hier eine Limonade, dort ein Bier, was gibt es schöneres.

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