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26.01.2016

Chile: Auf der Carretera Austral

Chile, lang und schmal, haben wir ja am untersten Zipfel des Landes schon mal kurz gestreift. Schon dort hat es uns gut gefallen! Wir geniessen die frischen Früchte und Beeren aller Art, treffen alte Bekanntschaften wieder und machen neue. Zielrichtung ist Norden, aber das will uns wegen der Schönheit der Insel Chiloé nicht so ganz gelingen.

Chile Chico heisst die Grenzstadt, wo wir in unser letztes Land einreisen. „Klein Chile“ kann man das wirklich nennen, denn der Begriff Stadt ist hier eigentlich nicht angebracht. Bereits am Grenzübergang treffen wir ein Schweizer Paar auf 2 Motorrädern und wir kommen sofort ins Gespräch, obwohl wir nicht viel Zeit haben. Im Süden von Chile sind die Strassen noch ziemlich schlecht, Schotter ist hier noch sehr häufig anzutreffen. Eine zweistündige Fähre über den See Lago Buenos Aires lässt uns knapp 300km Schotter sparen. Dieses Geschenk nehmen wir gerne an, wir realisieren aber kurz später, dass wir das Ende des Schotters noch lange nicht erreicht haben. Wir verabschieden uns temporär von den beiden Schweizern, verabreden uns aber noch auf einem Camping Platz in Coyhaique, quasi der einzigen Quasistadt dieser Region. Wir sind in diesem kleinen chaotischen Büro der Fähre in Chile Chico und versuchen uns die nötigen Tickets zu verschaffen, als zwei weitere Motorräder aufkreuzen, offensichtlich mit der gleichen Intention, hier über den See zu stechen. John und Beth, die zwei Briten kennen wir schon von der Stahlratte, also unserer Überfahrt von Panama nach Kolumbien. Wie der Zufall es so will, treffen wir uns hier unverabredet in besagtem chaotischen Büro und verbringen die Bootsfahrt zusammen. Wir nehmen die letzten 100km noch bei Sonnenuntergang unter die Räder.

Wir grillieren, teilen Wein, Essen und Geschichten von der ganzen Welt und haben eine gute Zeit.

Bei besagtem Camping treffen wir nochmals zwei weitere Schweizer die mit einem in Chile gekauften Auto unterwegs sind und kommen sofort ins Gespräch. Am nächsten Tag kommen dann die zwei Briten und die anderen beiden Schweizer auf ihren Motorräder: So viele Leute gibt es in ganz Patagonien wohl gar nicht, wie wir hier an einem Tag getroffen haben. Wir grillieren, teilen Wein, Essen und Geschichten von der ganzen Welt und haben kurz gesagt eine gute Zeit. Der Camping hat einen ganzen Hain voll reifer Himbeeren und mehrere prall gefüllte Kirschbäume, wo man einfach nehmen kann, soviel man will. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und mit ein wenig (oder war es ganz viel?) Rahm ist das schlicht eine Delikatesse. Die Stadt selbst bietet guten Kaffee, schnelles Internet und die Möglichkeit unsere Vorräte wieder aufzustocken.

Carretera Austral, übersetzt „Südliche Strasse“ heisst diese einzige Nord-Südverbindung im Chilenischen Teil von Patagonien. Villa O‘Higgins heisst das südliche Ende und die Strasse durch spektakulär schöne Landschaft bis hoch nach Puerto Montt. Massive Investitionen werden hier getätigt um Teer, Brücken und Hangbefestigungen zu bauen. Dennoch kann hinter jeder Ecke die Strasse aufhören zu existieren und ohne Warnung weichen Schotter auftauchen. Wir nehmen‘s gemütlich, schon nur wegen der spektakulären Landschaft. Wir sehen mehrere Gletscher oben an den Bergen kleben, wir campieren am Ende eines über 100km langen Fjords, fahren durch idyllisches Farmland und umkreisen mehrere Vulkane. Einer davon hat vor nur drei Jahren diese ganze Landschaft unter einer Aschewolke zugedeckt. Hier ist der Schotter natürlich besonders staubig. Als uns dann noch eine ganze Ladung Autos entgegenkommt, die alle zusammen auf der selben Fähre waren, reduziert sich die Sichtweite auf Null. Chaitén heisst die nächste grössere Siedlung (man merke das bewusste Vermeiden des Begriffs der Stadt). Weiter nördlich ist die Strasse unterbrochen und eine Fähre umfährt eine wohl bis anhin unpassierbare Landzunge.

Puerto Montt ist unsere nächste Anlaufstelle. Unsere Motorradkette, die noch aus Istanbul stammt, hat unterdessen schon über 45‘000km gedreht (normal ist 20‘000) und ächzt und keucht unterdessen jedes mal wenn wir auch schon nur ein wenig Gas geben. Der Vorderreifen ist vom über fünf Mal mit den Pneuhebeln von der Felge abnehmen und wieder drauf montieren stark strapaziert worden und liegt nicht mehr gleichmässig auf der Felge. Die Hinterbremse ist wie schon im letzten Bericht erwähnt nur notdürftig geflickt. Dazu kommt, dass die Gummigriffe am Lenker so abgenützt sind, dass sie wohl jeden Moment abfallen werden und die beiden Kabel, die den Gashahn mit dem Lenker verbinden sind von all dem Staub schon so verklebt, dass sich der Mechaniker über Simons überproportional ausgebildeten rechten Bizepsmuskel lustig macht. Wir entscheiden uns, alles zu reparieren - eine ziemliche Investition. Aber es lohnt sich! Als wir Puerto Montt in Richtung Insel Chiloé verlassen fährt sich unser grünes Eselchen so sanft und weich, wie schon seit Beginn der Reise nicht mehr. Vom gemütlich langsamen Inselleben erfahrt ihr hier in einem anderen Bericht.

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