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01.08.2015

USA: Auf dem Hausboot in San Francisco

San Francisco - eine der wenigen Grossstädte, wenn nicht sogar die einzige, die wir in der USA besuchen wollen. Hier haben wir die Chance auf ein einzigartiges Couchsurfing-Erlebnis: Für ein paar Tage leben wir auf einem über 100 Jahre alten Hausboot.

Couchsurfing, die online Plattform, die Übernachtungen bei Privatpersonen vermittelt, hat uns schon manche schöne und eindrückliche Begegnung beschert. Sei es, Gäste in unserer Wohnung in Bern aufzunehmen, oder selber als Gäste zu reisen - immer wieder warten gute Erlebnisse auf uns. So auch diesmal, und das in San Francisco, wo es nicht ungewöhnlich ist, als Gastgeber unzählige Anfragen pro Tag zu erhalten. Wir sind froh, als wir schon nach 5 Anfragen eine Zusage bekommen. Und was für eine!

John lebt auf einem über 100 Jahre alten Hausboot in der Bucht von Sausalito. Es ist eine reiche Gegend, unter 1 Million steht hier kein Haus. Doch dann gibt es hier einen Fleck ausserhalb des Hafens, der für Hausboote gratis ist. Hier wohnen Lebenskünstler, Alt-Hippies und Aussteiger. Und genau dort liegt auch der alte Kahn, auf dem wir ein paar Tage verbringen.

Wir haben Glück: Unser Ankunftstag ist der Segeltag.

Einmal in der Woche segelt John mit einer ständig wechselnden Crew (meist Couchsurfer wie wir) mit seinem ebenfalls bereits 100 Jahre alten, wunderschönen Holzsegelboot, das neben dem Hausboot vertäut ist, hinaus. Wir haben Glück: Unser Ankunftstag ist der Segeltag. Um 10 Uhr erreichen wir den Hafen von Sausalito mit all unserem Gepäck. Wir laden es kurz beim Hausboot ab und dann geht es auch schon los. Die Crew ist gross heute, wir sind 8 Leute auf dem Boot. Kurz noch ein paar Instruktionen, damit auch jeder weiss was zu tun ist, wenn jemand über Bord fällt, dann hissen wir die Segel. Sobald wir etwas ausserhalb der Bucht sind, werden sie vom Wind aufgebläht und das Tempo nimmt zu. Und während wir auf die Golden Gate Bridge zusteuern, rings um uns herum Delfine, Möwen und Kitesurfer mit atemberaubender Geschwindigkeit, realisieren wir an den strahlenden Augen und den zerzausten Haaren der Crew, dass hier draussen auf dem Wasser der wahre Reichtum verborgen liegt. Zeit zu haben, solche Momente zu geniessen, mit Menschen, die vor einigen Augenblicken noch Fremde waren und nun bereits zu Freunden geworden sind - was gibt es besseres?

Unvergesslich wird der Moment bleiben, als Simon das Steuer des Bootes übernehmen und unter der Golden Gate Bridge durchsteuern darf. Jemand auf dem Thunersee muss ihm einst einige gute Tipps gegeben haben, denn er meistert auch die grossen Wellen souverän. Der wechselnde Wind ist herausfordernd, und auf einmal tauchen gleichzeitig zwei grosse Tanker sowie eine Fähre hinter uns auf. Die ganze Crew ist gefordert, das Boot sicher zu manövrieren und nicht immer gelingt die Wende wie geplant, weil plötzlich die Strömung und/oder der Wind ändern. Dann kann es auch mal sein, dass man vom Gischt nassgespritzt wird oder - wenn das Maximum vom Wind herausgeholt wird - jemand nasse Füsse bekommt. Am Morgen ist es zudem noch neblig und kalt (keine Seltenheit in San Francisco, wie wir feststellen müssen...), doch am Nachmittag kommt dann doch noch die Sonne hervor.

Wir drehen noch eine Runde um die ehemalige Gefängnisinsel Alcatràz, heute ein Touristenmagnet, und kehren dann nach 7 Stunden auf dem Wasser zurück in den Hafen.

Die darauf folgenden Tage verbringen wir in der Stadt, geniessen die urbane Atmosphäre und die schöne Architektur dieser Stadt und gehen den Touristenattraktionen soweit möglich aus dem Weg. In San Francisco kann man tatsächlich von „Stadtwandern“ sprechen, denn die Strassen führen über ganze Hügelzüge. Faule dürfen natürlich auch die unzähligen Trams benutzen :-) In der Nacht werden wir jeweils auf dem Hausboot in den Schlaf geschaukelt, nachdem wir gemeinsam mit zwei anderen Couchsurfern Johns Geschichten von Goldgräberzeiten und Onkel Eddie‘s Band und ihren unzähligen Radiohits gelauscht haben. Und wenn wir tagsüber in einem Café sitzen, fängt meist nach ein paar Minuten das innerliche Schaukeln wieder an - nicht die einzige Erinnerung, die uns das Leben auf dem Boot mitgegeben hat!

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