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07.10.2015

Panama: Die letzte Station in Zentralamerika

Die letzte Grenze in Zentralamerika ist überquert, das letzte Land erreicht, bevor es in den Süden geht: Panama. Ein Land, so vielseitig und fragmentiert, dass es schwierig ist, sich ein Bild davon zu machen.

Wir steuern von der Grenze her auf direktem Weg auf Panama-Stadt zu. Dies sind zwei Tage Fahren, gut machbar denken wir. Dabei rechnen wir jedoch nicht mit dem starken Regen und sagenhaften 120 Km Baustelle, die die Fahrt dann doch ziemlich mühsam werden lassen. Der Highway ist wegen den Baustellen grösstenteils nur 1-spurig zu befahren und teilweise nicht geteert. Dass auch der ganze Schwerverkehr auf dieser Strecke fährt, verlangsamt unser Vorwärtskommen noch zusätzlich. Zum Glück können wir uns mit dem Motorrad immer mal wieder vorbeischlängeln und so die meist mehrere hundert Meter langen Kolonnen zunehmend hinter uns lassen. Doch als dann der Regen anfängt und immer stärker wird, müssen auch wir verlangsamen. Der Regen will und will nicht aufhören, der Himmel wird dunkler und dunkler. Endlich erreichen wir die Region, wo wir uns vorgenommen haben, die Nacht zu verbringen. Ein anonymes Kleinstädtchen, grau und ausgestorben, erwartet uns. Völlig durchnässt fackeln wir nicht lange und quartieren uns im erstbesten, überraschenderweise chinesisch geführten Hotel ein. Die unmotivierte Receptionistin, die sich nur unwillig vom chinesischen Fernsehen den beiden nassen Geschöpfen in der Lobby zuwendet, spricht zwar offensichtlich spanische Wörter, doch mit chinesischer Aussprache. Wir fühlen uns zurückversetzt nach China und brauchen Hände und Füsse, um den überrissenen Preis wenigstens ein wenig herunterzuhandeln. Während wir unser Gepäck den nicht enden wollenden Gang hinuntertragen und dabei eine Tropfspur hinterlassen, müssen wir schon fast selber über unsere missliche Lage lachen. Das Hotelzimmer fällt in die Kategorie „Loch“ und wir brauchen all unsere innere Überzeugungskraft und Ausreden, die eine solche Situation verlangt:. „Das sind sicher nur die Haare der Putzfrau“, „Vielleicht hatte sie ihre Brille verloren, als sie das Bad putzte....“, „Der Dreck ist aber auch wirklich schwer von der Wand abzubekommen...“, etc. Passend dazu hängen wir unsere nassen und langsam etwas streng riechenden Kleider an alle verfügbaren Haken, in der frommen Hoffnung, sie am nächsten Tag trocken anziehen zu können. Bei so hoher Luftfeuchtigkeit eine Illusion.

Im ebenfalls chinesischen Restaurant nebenan philosophieren wir bei gebratenem Reis darüber, was es mit diesem Hotel auf sich haben könnte. Die für uns plausibelste Erklärung ist, dass es sich dabei um eine geldwaschende Institution der chinesischen Mafia handelt...

Über die Puente de las Americas über den Panamakanal zu fahren und dahinter die Skyline von Panama Stadt auftauchen zu sehen, ist ein besonderer Moment.

Wie meist nach dem Regen scheint am nächsten Morgen die Sonne. So ist es immerhin nur halb so schlimm, morgens in die noch immer nassen Kleider zu steigen. Erstaunlich schnell erreichen wir Panama Stadt. Über die Puente de las Americas über den Panamakanal zu fahren und dahinter die Skyline von Panama Stadt auftauchen zu sehen, ist ein besonderer Moment. Schliesslich bedeutet Panama, dass wir die Hälfte unserer Reise bereits hinter uns haben - und ein ganz neuer Teil der Reise auf uns wartet!

In einem ruhigen Quartier mieten wir für eine Woche ein kleines Studio. Wir geniessen es, mal wieder etwas stationär zu sein und hier die letzten Vorbereitungen für den Süden zu treffen, auszuspannen, selber zu kochen, zusammen an einem Tisch zu sitzen. Der sonnige Hof lädt dazu ein, unsere ganze Ausrüstung zu waschen und zu trocknen, ein Unterfangen das einen ganzen Tag einnimmt. Auch unser Motorrad braucht Pflege. Dank einem Kontakt sind wir auf Raul gestossen, der hier wohnt und vor einem Jahr ebenfalls mit dem Motorrad durch Südamerika gefahren ist. Er kann uns nicht nur gute Tipps für die Weiterreise geben, sondern bringt uns auch zu einem guten Mechaniker. Reifen-, Öl- und Ölfilterwechsel - und die Transalp ist wieder (fast) wie neu und bereit für nächste Abenteuer.

Etwas Zeit bleibt auch noch, um Panama Stadt zu besuchen. Selten haben wir eine so fragmentierte Stadt erlebt. Die Neustadt mit den Hochhäusern ist klar von der Altstadt abgetrennt (sogar die Autostrasse führt ausserhalb der Altstadt vorbei, also über eine rundherum führende Brücke auf dem Meer), daneben gibt es reichere Viertel und regelrechte Slums. Die Gesichter in den Strassen zeigen unterschiedlichste Einflüsse: Südamerikanische, Europäische, Asiatische, Afrikanische. Panama Stadt ist wirklich eine „Welt“-Stadt. in jeder Hinsicht!

Die Altstadt, die so anders ist als alle bisher besuchten Städte, unterläuft einer Verwandlung. Alte, vom Zerfall bedrohte Häuser werden neu restauriert, meist sehr stilvoll. Uns gefällt es, bis wir feststellen, wie hoch der Preis dafür ist: An einem der zu renovierenden Häuser hängen Plakate der Bewohner, die ohne Gewähr einer Alternative aus ihren Wohnungen rausgeschmissen werden, um den luxuriösen Plänen der Verwaltung Platz zu machen. Ziemlich dreist, finden wir. Und: Was ist ein Stadtbild ohne Menschen, die auch wirklich dort wohnen, die genau dieses Bild prägen?

Zu Panama gehört natürlich auch der Panama-Kanal. Beim Besuch der Miraflores Schleusen dürfen wir hautnah miterleben, wie einer dieser riesigen Kähne durch den engen Kanal gezogen wird, um sich dann durch die beiden insgesamt 26m hohen Schleusen zu bewegen. Eine Überraschung bietet sich, als der Kahn näher kommt: Auf der Seite wird nach und nach der Schriftzug der Reederei sichtbar: Wallenius Wilhelmsen! Mit einem dieser Schiffe wurde auch unser Motorrad verfrachtet! (Natürlich aber nicht über diese Route - wir freuen uns trotzdem sehr über diesen Zufall).

Der Tag unserer Weiterfahrt rückt näher. Und damit kommt auch der Zeitpunkt, euch zu verraten, wie wir um die „Darian Gap“, diese von Guerillakämpfern kontrollierte, äusserst gefährliche Grenzregion zwischen Panama und Kolumbien, herumkommen. Momentan fährt nämlich keine einzige Fähre. Am 8. Oktober werden wir also zusammen mit unserem Motorrad ein Segelschiff besteigen, das uns innerhalb von 4 Tagen nach Kolumbien fahren wird. Auf dem Weg warten unbewohnte Karibikinseln, Schnorcheln, Baden - und 30 Stunden Segeln mit diesem ehemaligen Greenpeace-Schiff übers offene Meer. Auf den nächsten Bericht sind wir genauso gespannt wie ihr!

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