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13.10.2015

San Blas: Mit der Stahlratte nach Kolumbien

San Blas, eine Inselgruppe in der Karibik vor der Küste von Panama, ist so schön wie man es sich nur vorstellen kann: Hunderte kleine Inseln, weisser Sand, Kokosnusspalmen, türkisfarbenes Wasser, freundliche Einheimische und das alles auf einem alten knatternden Segelschiff. Wir sind begeistert.

Panama Stadt zu verlassen stellt sich als eine Herausforderung dar: Die elenden Autobahnkreuze sind schwierig zu navigieren. Die Ausfahrten sind nicht angeschrieben - oder auf jeden Fall nicht mit sinnvollen Angaben. Wir machen eine Ehrenrunde durch den Busbahnhof, uns wird es zu bunt und wir stechen über Schotter und Wiese auf die Richtige Strasse. Den Frechen gehört die Welt.

Unser Boot ankert in einem kleinen Fischerdorf namens Carti. Schon die Fahrt dorthin ist spannend. Sobald wir den Panamerikanischen Highway verlassen beginnt das Abenteuer. Eine enge Strasse geht steil in die Hügel hoch, steiler als der Weissenstein in der Schweiz und wohl auch steiler, als wir bisher gefahren sind. Enge Kurven, hoch und runter, es ist eine beachtliche Herausforderung. Dem schlimmsten, nämlich dass ein Auto vor uns in der Kurve bremst, können wir mit kurzen Pausen aus dem Weg gehen, umzufallen wäre da wohl unvermeidbar gewesen. Wir nehmen uns Zeit.

Die Kuna Yala sind die lokale Gruppe Einheimischer. Sie haben sich kurz nach der Jahrhundertwende eine autonome Region erkämpft. Das bedeutet für uns, dass wir an einem Strassenposten eine Kunataxe bezahlen müssen um rein zu dürfen. Das machen wir. Grundsätzlich unterstützen wir Unabhängigkeitsbewegungen. Zuoberst auf einem Hügel reicht die Aussicht so weit, dass wir bereits das Segelschiff in einer etwa 15km weiten Bucht erkennen können.

Wir geniessen das Wasser, die Sonne und die Gemeinschaft.

Auf dem Weg treffen wir bereits mehrere Motorradreisende, die alle auf das selbe Boot wollen. Im Hafen stehen sie dann auch schon auf dem Pier. Am Ende des Tages sind 19 Motorräder auf Deck der Stahlratte, so heisst das Segelboot, vertäut und wir, 23 Reisende, verbringen die Nacht auf einer nahe gelegenen Insel in einem lokalen Guesthouse. Wir geniessen das Wasser, die Sonne und die Gemeinschaft. Alle Reisenden haben eine ähnliche Grundeinstellung zum Leben, was wahrscheinlich auch notwendig ist um mit dem Motorrad monatelang unterwegs zu sein. Wir verstehen uns alle bestens. In der Gruppe hat es US-Amerikaner, Kanadier, Briten, Deutsche, Schweizer, Italienier, Franzosen, Spanier, ein Rumäne und ein Türke. Am nächsten Morgen kommt das Motorboot zurück und bringt uns zur Stahlratte, unser Zuhause für die nächsten Tage.

Die Behörden stempeln unsere Pässe, erledigen die Formalitäten für die Motorradausfuhr während wir bequem auf dem Schiff „am sünnele“ sind. Das einzige was fehlt ist der Wind. Schlussendlich schlängeln wir uns mit dem Motor durch die Inseln, eine schöner als die andere. Erstaunlich viele sind bewohnt, dicht mit simplen Hütten besiedelt, aus einem Baumstamm gefertigte Kanus sind die Fortbewegungsmittel der Wahl. Wir legen Anker bei einer besonders schönen Inselgruppe. Am Abend gibt es BBQ am Strand. Den nächsten Tag verbringen wir die ganze Zeit vor Anker. Schwimmen, sinnieren, essen und schlafen sind die Haupttätigkeiten des Tages. Frischer Hummer, Barrakuda, die Crew hat ebenso gerne gutes Essen wie wir alle. Besonders schön ist die Aussicht vom Crowsnest. Von fast zuoberst des grössten Mastes sieht man 25m über dem Meer wie klar und wie schön farbig das Wasser wirklich ist. Nur runterspringen darf man leider nicht... Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn sich am Abend eine ganze Gruppe Rochen und mehrere riesige Schildkröten um das Schiff versammeln.

Am Sonntag geht die Überfahrt dann erst richtig los. Bei Tagesanbruch wir der Anker gelichtet und wir tuckern in Richtung Osten. Das Boot schaukelt, einige füttern die Fische mit dem letzten Abendbrot (also Hummer und Barrakuda) bei uns bleibt es bei einem mulmigen Gefühl und fehlendem Appetit. Dies mindert aber nicht die Schönheit der Natur. Delfine spielen in der Gischt, Vögel begleiten uns, eine beachtliche Gewitterzelle zieht direkt vor unserem Schiff übers Wasser. Der Appetit kommt zum Mittagsessen wieder zurück. Viel machen kann man aber nicht: Beim Fokussieren auf ein Buch oder ein Display kommt sofort das mulmige Gefühl von Seekrankheit zurück. Macht aber nichts, die Zeit vergeht sowieso viel zu schnell. Den ganzen Tag und die ganze Nacht fahren wir in Richtung Nordwesten. Am nächsten Morgen früh sehen wir auch schon Kolumbien am Horizont auftauchen. Es warten abenteuerliches Entladen des Schiffes und langwierige Zollprozesse auf uns. Ein neues Land, ein neuer Kontinent, wir haben Halbzeit unserer Reise.

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