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28.10.2015

Kolumbien: Durch die Berge

Trockene Hochebenen wie im Tibet, im Tal unten fruchtbarer Dschungel, weiter hinten im Tal Wüste mit Sand und Kakteen, dann wieder hoch durch den Dschungel auf mit Nadelwald bewachsene Berge. All das ist in Kolumbien in wenigen hundert Kilometern erreichbar.

Von Manizales aus geht es zuerst hoch hinaus. Auf 3‘700m Höhe kommen wir schon ganz arg ins schlottern. Wir können uns schon gar nicht mehr daran erinnern, wann wir das letzte mal mehr als nur ein langärmliges Shirt unter der Motorradjacke anhatten. Die Strasse, soeben neu gemacht, lädt zum ausfahren der Kurven ein, wir wollen unsere neuen Reifen ja auch gleichmässig abnutzen. Die Luft wird merklich dünner, das merkt auch unser grünes Eselchen: Die Leistung des Motorrads nimmt mit zunehmender Höhe ab. Zuoberst auf dem Pass geht ein kalter Wind, die Vegetation hat sich an die raue Umgebung angepasst. Auf der Rückseite der Berge kommt dann noch die Feuchtigkeit hinzu. Unten im Tal lassen wir die Jacken beim nächstbesten Kaffee abtropfen.

Einmal übernachten in einem Hotel am Strassenrand und am nächsten Tag kommen wir tatsächlich in die Wüste. Schroffe Felsen und dürre Vegetation erinnern an den Orient. Zwei grosse Gebirgszüge unterteilen Kolumbien in Nord-Süd verlaufende Regionen. Die Feuchtigkeit vom Pazifik regnet an der Sierra Central aus und die Feuchtigkeit vom Amazonasbecken an der Sierra Oriental. Das Tal in der Mitte geht im Verhältnis praktisch leer aus. Dass die Erde hier trotzdem fruchtbar ist realisieren wir schnell: Ein breiter Fluss bringt das nötige Süsswasser von den Bergen runter. Angepflanzt wird hier vor allem Reis, was bei keiner Kolumbianischen Mahlzeit fehlen darf.

Eine uralte Zivilisation hat sich hier in San Agustin in den Lavabrocken eines nahen Vulkans verewigt.

Unser nächstes Ziel ist San Agustin, ein kleines malerisches Dörfchen am Fusse der Berge. Eine uralte Zivilisation hat sich hier in den Lavabrocken eines nahen Vulkans verewigt. Faszinierende Statuen von Menschen oder Tieren stehen hier neben alten Gräbern. Die Zivilisation hatte ihre Blütenzeit vor etwa 1‘500 Jahren. Viel weiss man nicht, das Volk verschwand spurlos noch bevor die ersten Spanier in die Region kamen. Die Statuen, mal mit grimmigem Gebiss mit scharfen Eckzähnen, mal mit sanft lächelnden, schon fast schelmischen Ausdruck, faszinieren uns. Dazu kommt, dass wir oberhalb vom Dorf San Agustin seit langem unser Zelt mal wieder aufstellen können. Hinter einem wunderschönen Hostel mit Blick auf die Berge und die unten liegenden Häuser schmiegt sich unser Zuhause auch hier gut in die Landschaft ein.

Um von San Agustin wieder zurück ins Haupttal zu kommen, wo auch der Grenzübergang nach Ecuador ist, gibt es drei Möglichkeiten: Entweder quasi wieder zurück, etwa zwei Tage Umweg, dafür gute geteerte Strasse, oder direkt von San Augustin über die Berge was etwa 150km Schotterpiste bedeuten würde oder weiter südlich über etwa 70km Schotterpiste auf direktem Wege über die Berge. Wir nehmen den direkten Weg. Die Strasse hat den Spitznamen „Trampolin de la Muerte“, also Trampolin des Todes. Eine kurze Googlesuche bringt da so allerlei schöne und unschöne Bilder zu Tage. Wir mit dem Motorrad sind schmal und wendig und können so doch relativ gut auf der meistens einspurigen Piste dem Gegenverkehr aus dem Wege gehen. Auf der einen Seite geht es praktisch überhängig die Bergflanke hoch, auf der anderen Seite liegt ein mehrere hundert Meter tiefer Abgrund. Zwar gibt es von Zeit zu Zeit Leitplanken aber es gibt genügend Stellen, die uns an deren Nützlichkeit im Ernstfall zweifeln lassen. Steile Bäche, die meist mehr aus Wasserfällen als aus Bachläufen bestehen, fliessen meistens über den Weg. All dies können wir mit ein wenig Selbstbewusstsein meistern. Belohnt werden wir mit spektakulären Bergaussichten. Zeitweise sehen wir bis ins Amazonasbecken herunter. Dünn besiedelt wie sie ist, geniessen wir die Berglandschaft. Schlussendlich werden die gefährlichsten Momente durch den rücksichtslosen Gegenverkehr geschaffen. Die innere Sturheit müssen wir halt einfach abschalten und wir warten, bis die langsamen Lastwagen vorbei sind. Das wacklige Video unten zeigt einige interessante Momente und ist nicht für ängstliche Zuschauer gedacht.

Müde aber glücklich über die erfolgreiche Meisterung des Trampolins übernachten wir in einem kleinen Dorf beim See „Laguna De La Cocha“. Offenes Kaminfeuer, eine nette ältere Wirtin, die uns eine Forelle vom See zum Abendessen kocht, auf fast 3000m über Meer kommt beinahe Skilagerstimmung auf. Die Grenze zu Ecuador ist nur noch gut 100km weit entfernt. Doch davon in einem nächsten Bericht.

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