header_america_29

21.10.2015

Kolumbien: Eine kleine Kaffeereise in Manizales

„Seit 6 Jahren arbeite ich hier auf der Hacienda Venecia“, erzählt Ruben am Anfang der Tour. Wir ahnen, dass wir von ihm viel lernen werden. Und wir werden Recht behalten. Von der Bohne zur fertigen Tasse Kaffee - wir wissen nun, wie (hier) das schwarze Gold gewonnen wird: durch viel harte Arbeit, Erfahrung und dank den richtigen klimatischen Gegebenheiten. Fasziniert von diesem besonderen Einblick in ein für uns so alltägliches Gut haben wir beschlossen, euch hier eine kleine Dokumentation zusammenzustellen.

Zuerst nimmt uns Ruben mit auf eine Reise: angefangen mit Mythen um die Entdeckung des Kaffees in Äthiopien, bis hin zur Verbreitung am heutigen Tag. Kaffee ist nicht gleich Kaffee, das merken wir sofort. Je nach Sorte, Region und klimatischen Bedingungen kommen andere Anbau- und Verarbeitungsweisen zum Zuge. Wir beschränken uns hier auf die Sachlage in Kolumbien. Hier wird Arabica-Kaffee angebaut, der etwas anfälliger ist als der Robusta-/Canephora-Kaffee (wie der Name schon sagt), jedoch auch als der „edlere“ Kaffee gehandelt wird. Wir können uns gleich selber davon überzeugen und bekommen einen herrlichen Espresso serviert, natürlich mit frisch gemahlenen Bohnen. Eine geniesserische Stille breitet sich im Raum aus, bevor Ruben uns einlädt, ihm nun in die Plantage zu folgen.

"Es kann sein, dass eine Pflanze gleichzeitig blüht, und daneben grüne, gelbe und auch rote bis dunkelrote Kirschen trägt!“

„Dank der Nähe zum Äquator profitiert unsere Region hier von zwei Regenperioden pro Jahr, was zur Folge hat, dass wir ganzjährlich ernten können, mit einem Schwerpunkt von März-Juni und Oktober-November.“, erzählt Ruben. „So kommen unsere PflückerInnen alle 18 Tage bei den gleichen Pflanzen vorbei und pflücken die jeweils reifen - bei uns dunkelroten - Kirschen. Es kann also sein, dass eine Pflanze gleichzeitig blüht, und daneben grüne, gelbe und auch rote bis dunkelrote Kirschen trägt!“

Am Anfang der Pflanze aber steht die Bohne. In jeder Kirsche stecken zwei Bohnen, die in eine schützende, etwas schleimige Haut eingehüllt sind. Keimen diese, wächst daraus eine kleine Kaffeepflanze. Bereits hier wird aussortiert: Wächst die Pflanze zu schnell oder zu langsam, ist sie nicht für die Plantage geeignet und wird aussortiert. Erst nach einem Jahr trägt die Pflanze die ersten Früchte. Nach 6 Jahren wird die Pflanze komplett gekappt, nur der Stumpf bleibt übrig. Aus ihm wachsen neue Pflänzchen und auch von ihnen werden die schwachen aussortiert. Es vergehen erneut 6 Jahre, dann wird die Pflanze wiederum gekappt. Dieser Zyklus wird drei Mal durchgeführt. Die Kaffeepflanzen werden also 18-20 Jahre alt. „Die Wurzeln bleiben aber auch dann im Boden“, macht Ruben uns klar. „Wir setzen die neuen Pflänzchen zwischen je zwei der Wurzelstämme der alten Pflanzen.“ Warum? Fragen wir uns. Ruben erklärt uns: „Die Wurzeln schützen vor Erosion, was hier in den steilen Hügeln mit zum Teil starken Regenfällen sehr zentral ist!“

In der Hacienda sind 30 Leute fest angestellt, dazu kommen in den Haupterntezeiten zwischen 200-500 PflückerInnen, die meist von Plantage zu Plantage ziehen. „Dank dem momentan recht guten Preis von Arabica-Kaffee auf dem Weltmarkt verdienen PflückerInnen in Kolumbien rund 14 Dollar pro Tag, was dem Doppelten des Mindestlohnes in Kolumbien entspricht.“, beantwortet Ruben unsere Frage nach der Bezahlung der ArbeiterInnen.

Nach dem Besuch auf der Plantage folgt der technischere Teil. Dazu folgen wir dem schmalen Pfad zu einer kleinen Häusergruppe. Schon von weitem riechen wir die grünen Kaffeebohnen.

Ruben erläutert uns kurz und bündig die verschiedenen Schritte zum Endprodukt: „Zuerst werden die Kirschen von Steinen und Ästen getrennt. Dies geschieht in einem Wassertunnel: Die Steine sinken, die Äste sind langsamer als die Kirschen. Als nächstes wird die Schale rund um die Bohnen entfernt und die Bohnen kommen in einen Fermentationsprozess, der ein paar Stunden dauert. Schon bei diesem Schritt werden die Bohnen in verschiedene Qualitätsklassen eingeteilt. In diesen Klassen werden die Bohnen dann auch getrocknet. Die schleimige Schicht wird zu einer Art papierenen Hülle, die am Schluss noch entfernt wird - aber erst kurz vor dem Export, denn sie schützt die Frische der grünen Bohne. Geröstet werden die Bohnen erst im Importland.“

Gerade wird ein Lastwagen mit Kaffeesäcken beladen. Eine schweisstreibende Arbeit, jeder Sack wiegt um die 30 Kg. Ein Vertreter der Kooperative ist anwesend, dazu auch ein Polizist. Ist das Beladen denn eine heikle Sache? Fragen wir uns. „3 Säcke sind 250 Dollar wert!“, erklärt Ruben. „Im Lastwagen befinden sich 300 Säcke, die gesamte Ladung ist also eine Viertelmillion wert.“ Wir staunen nicht schlecht.

Obwohl die Hacienda bisher den eigenen Kaffee nicht für kommerzielle Zwecke röstet, zeigt uns Ruben auch diesen Prozess. Zuerst sind unsere Nasen gefragt! Immer sorgfältig die Temperatur kontrollierend röstet Ruben die Bohnen und gibt immer wieder Beispiele des aktuellen Röstgrades zum Schnuppern herum. Was anfänglich noch herb, dann eher holzig und später nach Popcorn riecht, entwickelt nach kurzer Zeit das Aroma, wie wir es kennen und lieben: Dunkel und voll.

logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
←   zurück
↑   nach oben   ↑
weiter   →