header_america_36

05.12.2015

Peru: Von Cusco zum Titicaca See

Nach tagelanger Natur und nur vereinzelten Dörfern, trifft uns in Cusco der Kulturschock. Hier gibt es alles und noch vieles mehr. Was natürlich wie immer positive und negative Seiten hat.

In den letzten Tagen mussten wir - wenn wir nicht selber kochten - öfters viele Dörfer durchqueren, um schliesslich das eine und einzige Restaurant mit dem einen und einzigen Menu aufzuspüren. Meist war das Pollo (Hühnchen). Zu einem peruanischen Menü gehört zuerst ein Caldo, eine Suppe (Hühnersuppe), danach ein Segundo - meist ebenfalls wieder Hühnchen, dazu Reis, Pommes Frites und Kochbananen. An Abwechslung fehlte es uns häufig und so haben wir uns die Auswahl an Restaurants in Cusco herbeigewünscht. Und dann sind wir doch ganz überfordert. Dennoch, es ist ein grosser Pluspunkt an Cusco: Von Budget bis High Dining findet wohl jeder etwas und die vegetarisch-vegan-biologische Strömungen sind auch hier angekommen. So finden wir bald ein herziges kleines Biorestaurant, welches die besten vegetarischen Sandwiches ganz Perus (behaupten wir) serviert.

Obwohl wir Cusco schon von einem letzten Besuch kennen, sind wir doch wieder begeistert von der schönen Architektur und überrascht von den Menschenmengen.

Obwohl wir Cusco schon von einem letzten Besuch kennen, sind wir doch wieder begeistert von der schönen Architektur und überrascht von den Menschenmengen. Zwar ist nicht gerade Hochsaison und man könnte die Stadt wohl auch als „halbleer“ bezeichnen, doch uns ist es fast etwas zu viel. Highend-Touristen residieren in luxuriös restaurierten Palacios mit blühenden Innenhöfen, decken sich im edlen Alpaka-Laden mit dem neusten feinen Stöffchen ein und buchen eine Individualtour mit vielen Specials auf den Macchu Pichu. Reisegruppen wohnen in den wenig charmanten grossen Hotelbauten, überfluten Plätze und Kirchen, veranstalten dort am helllichten Tag ein Blitzgewitter mit ihren Kompaktkameras und verstopfen die Fussgängerzone beim Warten auf den Gruppenbus zum Macchu Picchu. Die Hippies wohnen im Partyhostel, sitzen morgens mit kleinen Augen im Budget-Cafe und erzählen sich von ihren Trips zum Macchu Pichu oder anderen Welten. Und wir? Wir stehen irgendwo dazwischen, geniessen guten Kaffee und zur Abwechslung mal Restaurants, die nicht nur zweckmässig eingerichtet sind, schwelgen in westlichem Frühstück (Müesli! Pancakes! Joghurt!) und besuchen den Macchu Pichu - nicht.

Ja, richtig gelesen. Auch beim zweiten Besuch dieser Gegend lassen wir das „wichtigste Monument Südamerikas“ aus. „Aber den besucht doch jeder!“, hören wir öfters. Ja, genau. Und wir zweifeln auch nicht an seiner Schönheit. Doch bei Ankunft in Cusco und beim Anblick der Menschen, die „alle“ den Macchu Pichu besuchen, verleidet uns die Idee, uns in die vollen Busse und Züge zu quetschen und dann mit vielen anderen zusammen in gemeinschaftliches „Oh“ und „Ah“ zu verfallen. Die letzten Tage waren so gefüllt mit Schönheit der Natur Perus, die wir ganz für uns alleine geniessen durften - vielleicht sind wir schlicht und einfach schon ein wenig verwöhnt. :-) Auch die Tatsachen, dass die Gesellschaft des Zuges, der zum Macchu Pichu führt, nicht einmal peruanisch ist (die Chilenen kassieren hier massivst mit Preisen teurer als in der Schweiz), und dass die Eintrittspreise ebenfalls lächerlich hoch sind, tragen dazu bei, dass wir uns nicht einfach so ausnehmen lassen wollen. Und nicht zuletzt wollen wir uns auch ab und zu das kleine Stückchen Rebellentum und die Freiheit gönnen, auch mal etwas auszulassen. „Verpassen“, dieses Wort gibts in unserem Reisewortschatz sowieso nicht und so fällt uns die Entscheidung leicht, ohne diesen Anblick weiterzufahren.

Die Tage in Cusco sind gefüllt mit Ausruhen und Planen. Der Rest unserer Reise steht nun fest und die Rückflüge im Februar sind gebucht. Die Routenplanung von Bolivien, Argentinien und Chile ruft grosse Vorfreude hervor! Nach diesen Tagen wären wir eigentlich bereit, weiterzureisen, doch just in diesem Moment schliesst Josis Magen eine besondere Freundschaft mit der Kloschüssel unseres Hotels. Die Erholung der Magenverstimmung verzögert unsere Weiterfahrt Richtung Grenze zu Bolivien um zwei weitere Tage. Dann aber können wir endlich los.

Die Dorfnamen hier enden allesamt entweder mit „-Pampa“, „-Bamba“, oder „-Manca“ und ja, genau so verschlafen wie sie tönen, sind sie auch.

Die Dorfnamen hier enden allesamt entweder mit „-Pampa“, „-Bamba“, oder „-Manca“ und ja, genau so verschlafen wie sie tönen, sind sie auch. Alle Häuser sind - wie auch im Rest von Peru - mit Wahlpropaganda bemalt. Mittlerweile sind uns wohl die Namen aller Kandidaten für jegliche Lokal-, Regional- und Nationalwahlen bekannt. Spannend ist es, dass es bei der Propaganda meist bei den Namen der Kandidaten bleibt, Parolen oder Parteiinhalte liest man selten. Umso wichtiger sind die Symbole, die - so vermuten wir - für Analphabeten wohl auch auf dem Wahlzettel stehen: Jeder Kandidat hat ein Zeichen, ein Symbol. Was würdet ihr wählen? Die Schaufel? Den Schlüssel? Das Buch? Das Weizenkorn? Den Fussball? Oder doch lieber den FlipFlop?

Der heftige Regen der letzten Tage, der glücklicherweise an unserem Fahrtag ein Ende findet, hat feine weisse Häubchen auf die Berge gezaubert. Die Luft ist klar und frisch - Andenluft! Einmal hinter der ersten Bergkette, türmen sich dann doch schon bedrohliche Wolken auf. Es donnert und blitzt in der Ferne, doch wir kommen dem Gewitter zuvor. Mittags auf einem Hochplateau erreichen wir ein kleines Dörfchen, wo wir etwas essen wollen. Wieder einmal sind wir in der gleichen Situation: Es gibt hier diesmal zwar mehrere Restaurants, doch alle bieten nur dieses eine Menü an, von dem wir nicht verstehen, was es ist. Na dann! So werden uns alsbald zwei grosse Stücke Schaf aus dem Ofen mit zwei verschlumpelten Kartoffeln aufgetischt.

Wir kommen erstaunlich gut vorwärts und erreichen bereits am Nachmittag den Titicaca-See. Strahlendblau erscheint die riesige Wasserfläche am Horizont. Der weltweit grösste Süsswassersee auf dieser Höhe (3‘800 m.ü.M.) wird seinem Ruf gerecht, die Stimmung ist sehr besonders. Da die Gegend auch recht dicht besiedelt ist, wird es aber diesmal etwas schwieriger, einen Platz für unser Zelt zu finden. Erst nach dem wiederholten Anlauf finden wir ein passables Plätzchen auf einem Feldweg zwischen den Dörfern. Der Wind hat inzwischen stark zugenommen und wir versenken mit Vorahnung unsere Heringe besonders gut im Boden. Kaum im Zelt holt uns dann der Regen ein, dem wir den ganzen Tag davongefahren sind. Zu diesem Zeitpunkt ist es uns nun egal - wir sind am Trockenen. Und am nächsten Morgen wachen wir mit einem erneut strahlenden Andensonnenaufgang auf - das Zelt, die Blache, alles trocken. Ideale Bedingungen, um das letzte Stück Weg nach Bolivien unter die Räder zu nehmen! Zu unserem Start im 12. Land aber dann mehr im nächsten Bericht.

logo small
play
logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
logo small
play
←   zurück
↑   nach oben   ↑
weiter   →