header_asia32.jpg

23.02.2013

Bangladesch: Projektbesuche in Khulna

In Khulna, der drittgrössten Stadt in Bangladesch, fühlen wir noch mehr vom Puls von Bangladesch. Während den Projektbesuchen lernen wir Menschen in grosser Armut kennen, die dennoch voller Hoffnung sind.

Immer wieder berührt uns die Schönheit, die hier in den kleinsten Dingen versteckt ist. Die Authentizität dieses Landes ist unglaublich. Während wir durch die Strassen gehen, erleben wir mehr davon: Jeder Moment hält ein Bild inne, das an Lebendigkeit und Farbigkeit fast nicht zu übertreffen ist. Rikschas, Babytaxis oder Busse, vollbeladen bis hin zum Trittbrett und dem Dach, fügen sich zu einem lärmigen, farbigen Strom zusammen, der immer in Bewegung scheint. Der Lärmpegel ist konstant hoch, wobei „Lärm“ hier eigentlich das falsche Wort ist: das Hupen der Busse, das Quietschen der Rikschas, die laut verhandelnden Männerstimmen in der melodiösen Sprache sowie das überall präsente Meckern von Ziegen ist ein einzigartiger Klangteppich, der sich über der ganzen Stadt ausbreitet, einzig unterbrochen vom regelmässig hörbaren Singsang der Muezzins von den zahlreichen Minaretten.

Und das Licht! Frühlingshaft schleicht es sich morgens mit langen Schatten durch die Strassen, am Mittag wird es von der staubigen Erde reflektiert und am Abend wird alles in wohlige, diffuse Wärme getaucht. Kalt wird es erst in der Nacht – angenehm zum Schlafen.

„Bideshis“ (Fremde) werden neugierig beäugt und meist sind es die Kinder, welche das Eis brechen.

Hochglanz-Werbetafeln sucht man hier oft vergebens: in sorgfältiger Handarbeit werden die Werbungen für Mangosaft, Putzeimer oder Teebeutel auf die Wände gepinselt – jede Werbung ein Meisterwerk. Männer in traditionellen Dhotis (Beinkleidern) sitzen im Coiffeursalon mit den hölzernen, klobigen Stühlen, oder in der Metzgerei, wo am frischen Ziegenfleisch noch Bluttropfen hängen und die Ziegenköpfe sorgsam danebengestapelt sind. Gleich daneben gibt’s frischen Tee, mit Milch und viel Zucker köchelt er auf einem kleinen tönernen Ofen. Frauen, mal mehr oder weniger verschleiert, eilen durch die Strassen, ihre farbigen Kleider im Kontrast zum braungrauen Staub. „Bideshis“ (Fremde) werden neugierig beäugt und meist sind es die Kinder, welche das Eis brechen. Sobald eines mutig genug war und einen Schritt auf uns zugemacht hat mit einem „How are you?“, gibt es für die anderen Kinder kein Halten mehr. Dies erleben wir auch in den abgelegenen Dörfern, die wir mit CSS, einer Partnerorganisation von TearFund, besuchen.

Zwei Tage lang bekommen wir Einblick in die „Rural Health Centers“ (RHC), welche den meist armen Familien der Dörfer erschwingliche Gesundheitsversorgung bieten. Die Geschichten, die wir hier hören, gehen tief: Familien, die für eine Operation ihr Hab und Gut verkaufen mussten oder in den öffentlichen Krankenhäusern hilflos der Korruption ausgeliefert waren, sind heute dankbar für die kostenlosen Grunduntersuchungen und die günstige Krankenversichertenkarte in den RHCs. Das motivierte Personal beeindruckt uns sehr. Auf dem Weg kommen wir in Bagherat vorbei, wo wir die wunderschöne, rund 600 Jahre alte Shait Gumbad Moschee besichtigen. Der freundliche Imam führt uns herum und erlaubt sogar Joséphine, den Bereich ausserhalb des Frauenraums zu besuchen.

Im zweiten Projekt, welches wir ebenfalls während zwei Tagen näher kennenlernen, werden Frauen gezielt geschult, um für einen Mikrokredit optimal vorbereitet zu sein. Wir treffen wir zum Beispiel Rina, die nach der Schulung erfolgreich eine Hühnerzucht aufgebaut hat. Die stolzen, selbstbewussten Frauen gefallen uns.

Das Fotografieren und Filmen in den Projekten ist herausfordernd: obwohl neugierig, sind die Menschen oft etwas kamerascheu, insbesondere dann, wenn noch das ganze Dorf rundherum steht. Fotos zu machen, ohne jeweils eine grosse Menschenmasse im Hintergrund zu haben, braucht Geduld. Oft müssen wir auch einfach laut herauslachen über die Situation - und die ganze Masse lacht mit.

Nach unserem Aufenthalt in Khulna planen wir, via Barisal mit dem Boot nach Dhaka zu fahren. Leider macht uns die politische Situation einen Strich durch die Rechnung: nachdem während den letzten 3 Wochen anhaltende Demonstrationen stattgefunden haben, welche Gerechtigkeit für Kriegsverbrecher vom Bangladesch-Krieg fordern, hat sich nun die Lage zugespitzt. Im Zusammenhang mit den Demonstrationen wurde ein islamkritischer Blogger ermordet, was (unter anderem) den Unruhen eine religiöse Dimension verleiht. Lokale, gewaltsame Aufstände in einigen Städten waren die Folge davon. Wie sich die Situation entwickeln wird, ist momentan unklar. Wir werden daher auf direktem Weg nach Dhaka reisen, wo wir noch die letzten Tage verbringen, bis wir mit dem Zug nach Kalkutta, Indien, weiterfahren. Durch die grosse Fürsorge der Partnerorganisationen ist unsere Sicherheit gewährleistet.

Die besuchten Projekte werden von TearFund Schweiz unterstützt. Wer etwas spenden möchte, kann das hier tun.

logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
←   zurück
↑   nach oben   ↑
weiter   →