header_31

17.02.2013

Bangladesch: Im Haus des Friedens

Farbiges, wunderschönes Bangladesch: Seit einer Woche sind wir hier. Die Begegnungen, Erlebnisse und Eindrücke dieser Zeit haben uns sehr berührt. Bangladesch – ein neues Land auf der Landkarte unserer Herzen.

Etwas nervös sind wir schon, als wir in Bangkok das Flugzeug betreten, welches uns via Kuala Lumpur nach Dhaka, Bangladesch, bringen wird. In den Tagen vor der Abreise haben wir viel über dieses neue Land gelesen und sind darum umso gespannter, was wir dort erleben werden. Die Reise ist angenehm und am Sonntagabend erreichen wir Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch. Albert, der Leiter der ersten Organisation, die wir besuchen, erwartet uns bereits. Bei ihm, seiner Frau und seinem lustigen kleinen Hund verbringen wir die ersten beiden Nächte. Sie führen uns ein in die bengalische Küche, erzählen uns viel über ihr Land sowie auch ihr Projekt, ein Kinderheim im Norden von Bangladesch, das „Home of Peace“. Selber als Kind in grosser Armut aufgewachsen, liegt Albert das Wohl und die Zukunft der rund 300 Kinder des Heims – meist Voll- oder Halbwaisen -sehr am Herzen. Zwei seiner Mitarbeiter begleiten uns im Zug nach Norden.

Der Bahnhof scheint mehr sozialer Treffpunkt zu sein als Warteraum.

Die Fahrt ist wunderschön und gibt uns noch mehr Einblick in dieses faszinierende Land. Ausserhalb der Stadt wird der Blick freigegeben auf riesige Reisfelder, Palmen und Bananenplantagen, aber auch Kartoffeln und Raps. Wir passieren auch viele Dörfer und kleine Städte. Hier ist man nie allein, denn Bangladesch ist der am dichtesten besiedelte Flächenstaat der Welt – überall sieht man Menschen! Die Frauen tragen wunderschöne farbige Kleidung, „Salwar Kamiz“ genannt. Sie leuchten in den Strassen und in den Feldern. Viele neugierige Blicke treffen uns, denn Bangladesch ist kaum touristisch erschlossen – wir schauen neugierig zurück und tauschen Lächeln aus. Am spannendsten für uns sind die Bahnhöfe: Verkäufer mit Körben von Bananen, Erdnüssen, Handtaschen oder Reiseutensilien auf dem Kopf bahnen sich ihren Weg durch die Menschenmenge wartender Männer, Frauen und Kinder, Ziegen knabbern am Gras neben den Schienen, Hunde liegen am Schatten. Der Bahnhof scheint mehr sozialer Treffpunkt zu sein als Warteraum. Am Ende des Tages werden wir verwundert feststellen, dass wir an keinem einzigen Bahnhof eine Uhr gesehen haben.

Nach einer 9-stündigen Zugfahrt werden wir am Bahnhof von Dinajpur abgeholt. Das „Home of Peace“ liegt noch etwa 30 Kilometer ausserhalb und bis wir das Tor erreichen, ist es bereits 22.00 Uhr. So staunen wir nicht schlecht, als wir von allen 300 Kindern erwartet werden! Sie stehen Spalier bis zum Gästezimmer, wo wir übernachten werden, bewerfen uns mit duftenden Blumenblüten, singen und tanzen vor uns her. Wir sind überwältigt von so einem liebevollen Empfang.

Bereits am nächsten Tag haben wir ein volles Programm. Neben dem Kinderheim werden rund 30 Landschulen betreut, welche „Stützunterricht“ zur staatlichen Schule bieten. 4 dieser Schulen besuchen wir. Überall werden wir herzlich begrüsst, viele Kinder tanzen oder singen uns etwas vor. Wir sind beeindruckt von der Konzentrationsfähigkeit der Kinder sowie dem sichtbaren Respekt voreinander und vor der Lehrperson. Zwischen zwei Schulbesuchen besichtigen wir einen wunderschönen Hindu-Tempel.

Den Tag darauf verbringen wir im „Home of Peace“ gemeinsam mit den Kindern. Ihr Tag beginnt früh: um 6.30 Uhr wird eine Morgenandacht abgehalten, danach ist Zeit zum Lernen und Hausaufgaben machen. Es ist noch kalt am Morgen und die meisten Kinder haben sich gut eingepackt. Auch uns fröstelt es. Nach dem Frühstück von 8.00 – 9.00 findet der Unterricht statt, Primar- und SekundarschülerInnen in unterschiedlichen Gebäuden. Wieder staunen wir über die Disziplin der Kinder, in den Unterrichtsräumen ist es mucksmäuschenstill. Am Mittag essen wir gemeinsam mit den Kindern, danach haben sie noch einmal kurz Unterricht, bevor sie ihre Freizeit geniessen können. Einige Kinder helfen im heimeigenen Garten, andere bei weiteren Hausarbeiten, die restlichen spielen, rennen und lachen. Auch wir stürzen uns ins Gewimmel und geniessen die unbeschwerte Zeit mit den Mädchen. Ihre Fröhlichkeit trotz meist schwieriger Vergangenheit, sowie ihre gegenseitige Fürsorge berühren uns tief und wir denken ungern daran, dass wir am nächsten Tag bereits wieder abreisen werden. Am Abend findet ein „Cultural Programme“ statt, bei dem die Mädchen und Jungs Lieder vortragen und kleine Theater oder Tänze aufführen. Wir geniessen diese Vorführung sehr und bestaunen die Geschicklichkeit und Ausdrucksstärke der Darbietungen.

Als Abschluss bekommen wir Kleidung geschenkt, wie bereits zur Begrüssung: für Simon ein Hemd, für Joséphine ein Salwar Kamiz. Mit den farbigen Stoffen sind wir nun ideal ausgerüstet für unsere weitere Reise durch Bangladesch. Doch nicht nur diese nehmen wir mit: Die Gesichter der Kinder und die Freundlichkeit und Fürsorge der Mitarbeitenden vom „Home of Peace“ werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

logo small
play
logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
←   zurück ←   back
nav_left_icon
↑   nach oben   ↑ ↑   to top   ↑
nav_up_icon
weiter   → next   →
nav_right_icon