header_asia34.jpg

06.03.2013

Indien: Wiedersehen in Kalkutta

Der Anfang des Monates markiert für uns auch den Beginn der Entdeckung eines neuen Landes: Indien. Tausend neue Gerüche, Klänge und Farben warten auf uns - die Lebendigkeit Indiens packt uns von Beginn weg.

Der Maitree-Express Zug bringt uns direkt von Dhaka (Bangladesch) nach Kalkutta, mit Zwischenhalt einzig an den Grenzen. Bis alle Passagiere die Grenzformalitäten erledigt haben, dauert es seine Zeit, doch das macht uns nichts aus: Als einzige westliche Touristen werden wir immer wieder angesprochen und so ergeben sich spontan gute Unterhaltungen. Bevor wir in Kalkutta landen, wissen wir deshalb schon, wie viel unser Taxi kosten sollte, wie man hier die Preise aushandelt und welche lokale Spezialitäten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen sollten.

Die warme Nacht umarmt uns Ankommende und ein gelbes Oldtimer-Taxi aus britischer Kolonialzeit schaukelt uns zu unserer Unterkunft. Wir geniessen die ersten Atemzüge in dieser neuen Stadt, die Tausend Düfte, den Fahrtwind zum offenen Fenster herein. Bereits die ersten Eindrücke machen klar: Kalkutta schläft nie, Lärm, Duft und Farben sind allgegenwärtig und berauschend. Uns gefällt es auf Anhieb.

In der Jugendherberge wartet ein gemütliches, mit Marmorboden ausgestattetes sauberes Zimmer mit Bad auf uns, welches sage und schreibe nur 5.- kostet. Nach der langen Fahrt übermannt uns der Schlaf augenblicklich, die fremden Geräusche als leiser werdendes Echo in unseren Ohren.

Die Strassen der Stadt riechen nach Räucherstäbchen, Honig und Rosenwasser, aber auch nach Abfall und Urin.

Das Quartier, in dem wir gelandet sind, zeigt uns seinen rustikalen Charme am nächsten Morgen, als uns eine Autorikscha zur Metrostation bringt: Enge, gewundene Gässchen, handbemalte Ladenschilder, abblätternde Farbe. Unsere erste Entdeckungstour führt uns zum Maidan-Park, wo wir auch das Victoria-Monument bestaunen können, die – wie man sagt – „Mischung zwischen Taj Mahal und Weissem Haus“. Zeichen der ehemaligen Kolonialmacht Grossbritannien sind immer noch unverkennbar und allgegenwärtig: Von den gelben Taxi-Cabs über die Architektur bis hin zum beliebtesten Sport Cricket. Dennoch, Kalkutta ist noch viel mehr: Lebendige, unendlich farbige Märkte, chaotischer Verkehr, dickflüssig süsser Tee an jeder Strassenecke - und auch grosse Armut. Am besten kennt man diese Stadt dann auch als Wirkungsstätte von Mutter Theresa. Kalkutta ist aber beides, „The Drain of the World“ wie auch ein wichtiges, kulturelles und intellektuelles Zentrum Indiens. Die Strassen der Stadt riechen nach Räucherstäbchen, Honig und Rosenwasser, wie auch nach Abfall und Urin. Es scheint, als lägen hier Freud und Leid näher beieinander, als an anderen Orten.

Ein Grund, warum wir hier sind, ist unser Motorrad. Am Montag statten wir dem verantwortlichen Büro einen Besuch ab, nichts ahnend, dass wir uns bald schon in den Fängen unendlicher Bürokratie wiederfinden werden. Während wir morgens noch voller Tatendrang losgezogen sind, grenzt unsere Gefühlslage bei der Rückkehr eher an Ernüchterung. Die Formalitäten werden bis zu 4 Tage in Anspruch nehmen, zudem müssen wir mit mehr Ausgaben rechnen, als wir eingeplant haben. Wir werden an ein zweites Büro verwiesen. Dort erhält unsere Stimmung nach einer Stunde Warten einen zweiten Dämpfer: noch mehr Kosten werden uns in Aussicht gestellt. Unser Nachforschen im Internet bestätigt die Befürchtung: Die Gebühren im Hafen von Kalkutta sind mehr als dreimal so hoch wie diejenigen im Hafen von Bangkok, gegen die korrupte Bürokratiemaschine hat man hier keine Chance. Glücklicherweise ist unser Budget gewappnet für solche Fälle.

Eine spannende Begegnung wartet am Dienstag auf uns: Ein indischer Studienkollege von Simon ist in Kalkutta aufgewachsen. Obwohl er momentan nicht in seiner Heimatstadt wohnt, werden wir von seiner herzlichen Familie zum Mittagessen eingeladen. Nachdem uns der zweite Sohn der Familie im Quartier herumgeführt und uns verschiedene Tempel gezeigt hat, werden wir von der Mutter fürstlich bekocht. Beim anschliessenden Besuch des zoologischen Gartens und der Promenade am Ganges lernen wir die Familie und das Leben in Kalkutta etwas näher kennen.

Ein weiterer zermürbender Nachmittag Warten im Büro mit gelegentlichem Unterschriftensetzen folgt, am Donnerstag dasselbe in Grün bei der Zollstelle. Der Zoll öffnet um 12.30 und schliesst um 16.00 – warum man hier nicht weit kommt, erklärt sich von selber. Die Hoffnung, am Freitag losfahren zu können, zerrinnt mit jeder verstrichenen Minute weiteren Wartens. Nun wird es Samstag – mit Glück. Bei Abwarten und Tee trinken an jeder neuen Strassenecke passt sich unser Zeitbegriff langsam dem indischen Verständnis an. Wem würde es nützen, sich aufzuregen?

logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
←   zurück
↑   nach oben   ↑
weiter   →