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19.04.2013

Indien: Tibet im Exil

Unser nächstes Ziel ist McLeod Ganj, die Tibetische Exilhauptstadt. Das Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama ist zwar im Moment in der Schweiz (was will man da machen), dennoch bekommen wir hier einen Einblick in die Geschichte und die Gegenwart eines vertriebenen Volkes.

McLeod ist ein weiteres Beispiel für eine Stadt, die es geschafft hat, eine positive Symbiose mit dem Tourismus zu erreichen.

Die Strasse von Manali nach McLeod Ganj führt uns zuerst über vertraut unbequeme Schlaglöcher wieder zurück ins Haupttal der Region. Von dort geht es über eine schmale Strasse in Richtung Norden. Über mehrere kleine Pässe fahren wir durch trockenen Kiefernwald, kleine Dörfer und entlang von nur wenig gefüllten Flussbetten. Die Trockenzeit wird noch einige Monate länger dauern obwohl man dem Land ein wenig Regen gönnen würde. Nach dem letzten Hügelzug fahren wir hinunter in eine wunderschöne fruchtbare Ebene, die zu unserem Erstaunen auf 1‘000 Meter über Meer liegt. Die grösste Stadt hier heisst Dharamsala. Von dort führt uns eine schmale Strasse hoch nach McLeod Ganj, eine kleine in den Hügel gebaute Stadt. Die Gesichter verändern sich schlagartig: Die Stadt wird hauptsächlich von Exil-Tibetern bewohnt und wirkt wie eine Enklave. Unübersehbar sind die Buddhistische Merkmal,e wie die im Wind wehenden Gebetsfahnen. Um den Sitz der tibetischen Exilregierung befindet sich neben dem Wohnsitz des Dalai Lamas auch ein Kloster. Die langen weinroten Kleider der Mönche und Nonnen sind ein weiteres zeichnendes Merkmal im Strassenbild. Die vielen Backpacker Guesthouses und die Grosszahl von einladenden Kaffees und Teeläden reihen sich zwischen Wohn- und Geschäftshäuser ein. McLeod ist ein weiteres Beispiel für eine Stadt, die es geschafft hat, eine Symbiose mit dem Tourismus zu erreichen: Tibeter, Inder und Touristen aus allen Herren Länder leben hier in einer angenehmen Ruhe und Zufriedenheit zusammen. Uns gefällt es hier auf Anhieb.

Die ersten paar Tage verbringen wir mit Organisatorischem. Besonders das Iranische Visa bei der Visaagentur bestellen ist ein wichtiger Punkt, so dass wir es hoffentlich ohne grosse Schwierigkeiten später in Delhi abholen können. Auch die Verschiffung in den Iran bedarf noch einiger Zuwendung organisatorischer Art. Tibet wurde in den späten 40er Jahren von den Chinesen besetzt. Als der Dalai Lama 1959 nach Indien ins Exil floh, gewährte die indische Regierung ihm in McLeod Ganj einen Ort, um sich ohne Gefahr von der Chinesischen Regierung seinen Aufgaben als Dalai Lama zu widmen. Insgesamt 200‘000 Tibeter leben heute im Exil, einen Teil davon hier, wo ihr geistiges Oberhaupt residiert. Unsere Besuche im Tempel und Kloster vertiefen unseren Eindruck der Tibeter als ein entwurzeltes Volk. Das Fotomuseum mit historischen und zeitgenössischen Bildern aus dem Tibet und der Situation der Exiltibeter berührt uns sehr. Die Stadt ist gespickt mit wehmütig im Wind wehenden tibetischen Fahnen, Aufkleber zeugen von Forderungen zur Befreiung Tibets und kunstvolle Malereien an Hauswänden wiederholen diesen Appell.

Unglücklicherweise verwandelt sich Josis Husten in eine richtige Erkältung. Dies veranlasst uns, uns für einige Tage still zu halten - in dieser friedlichen Stadt in unserem angenehmen Hotel nicht weiter ein Problem. Am Donnerstag geht es Josi wieder besser und wir machen das, was wir eigentlich schon früher machen wollten: Auf den Hügelzug wandern, um die nahen Berge zu bewundern. Von unten sieht das nicht allzu problematisch aus. Als wir uns am Mittag erschöpft auf den 2‘800 Meter hohen Grat wiederfinden, realisieren wir, dass wir unsere Beine zu Recht spüren: Wir sind innerhalb vier Stunden 1‘200 Meter hoch geklettert. Oben werden wir mit Blick auf die greifbar nahen verschneiten Berge belohnt, die aufkommenden Wolken verbergen leider den obersten Teil der Gipfel. Die Wolken verdichten sich schnell und wir entschliessen uns, den Abstieg in Angriff zu nehmen. Tatsächlich hören wir auf etwa halber Höhe ein entferntes Donnergrollen, die Wolken verziehen sich jedoch wieder, ohne sich auszuregnen. Müde und mit schweren Beinen kommen wir schliesslich nach einem langen Abstieg wider in McLeod Ganj an. Am Samstag geht es für uns wieder weiter. Dies bedeutet auch Abschied vom majestätischen Himalajagebirge zu nehmen. Amritsar, die Hauptstadt der Shiks, ist unser nächstes Ziel. Ein Kulturschock wird wohl unvermeidbar sein.

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