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17.07.2013

Iran: Gelebte Gastfreundschaft im Hinterland

Die Vielfältigkeit dieses wunderschönen Landes wird uns während wir durch den Norden Irans fahren wie ein Theaterstück auf der Bühne vorgeführt: Die heisse Wüstenstadt Kashan, das kühle grüne Tal von Alamut, das Tote Meer ähnliche Klima in einem Talkessel in der Nähe des Kaspischen Meeres und dann das wiederum grüne Flusstal auf dem Weg nach Tabriz.

Von der Grossstadt Esfahan führt uns der Weg weiter in die Wüstenstadt Kashan, die eine halbe Tagesreise weiter nördlich liegt. Die direkteste Strasse wäre die langweilige Autobahn die erst noch für Motorräder gesperrt ist. Dies erleichtert uns die Entscheidung durchs Hinterland zu fahren. Nach einer Reihe von verschlafenen Wüstendörfern erreichen wir die Berge. Über einen wunderschönen 2‘700 m. ü. M. hohen Pass fahren wir wieder hinunter in die Ebene. Kashan ist in dieser heissen Jahreszeit auch entsprechend verschlafen. Dazu kommt, dass jetzt der muslimische Fastenmonat Ramadan beginnt, was die Geschwindigkeit durch den Tag nochmals erheblich senkt. Wir passen uns an. In Kashan finden wir ein Guesthouse der besonderen Art: Ein in eine Herberge umgewandeltes traditionelles Haus von einer Händlerfamilie zieht uns umgehend in den Bann. Im Innenhof befindet sich ein kühler Fischteich der wie eine natürliche Klimaanlage wirkt. Die Granatapfelbäume, die über eine Pergola wachsenden Reben, die Rosmarinbüsche und die Menge an anderen Blumen verwandeln diesen Innenhof in ein Idyll. Die Sitzgelegenheiten und Loungebereiche laden zum Verweilen ein. Uns wird schnell klar, dass dies wohl das schönste Guesthouse auf unserer Reise ist.

In Kashan besuchen wir den Persischen Garten Bagh-e Fin. Gebaut als ein Bad für den Shah, der frühere Herrscher, ist der Garden heute Unesco geschützt. Die durch den ganzen Bereich führenden Wasserkanäle werden über ein ausgeklügeltes unterirdisches System gespeist. Badhäuser und Aussenpools lassen erkennen, dass es sich hier als König wohl ziemlich gut gelebt haben muss.

Von hier aus fahren wir weiter in Richtung Norden nach Qazvin, wo wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen, uns mit Proviant für zwei Tage eindecken und von wo wir uns dann am nächsten Morgen früh in Richtung Alamut-Tal aufmachen. Von der Passhöhe können wir einen ersten Blick in dieses sagenumworbene Tal werfen. Ein in der Sonne glänzender Fluss, grüne Reisfelder, Wälder und dazwischen immer wieder kleine Dörfer werden umgeben von schroff in die Höhe steigenden Bergen. Wir sind umgehend fasziniert. Weiter hinten im Tal liegt die Ruine des Forts von Alamut, obwohl heute nur ein Schatten seiner selbst, zeugt es doch von einer lebendigen Geschichte. Wir zelten unterhalb des Forts in einer wunderschönen Kirschenplantage und besonders das Schleckmaul unter uns kann es sich nicht verkneifen ein kleines Dessert zu pflücken, welches wir dann natürlich beide geniessen.

Im Iran haben wir schon jede Menge an breiten Autobahnen gesehen und noch nicht wirklich ein Offroaderlebnis gemacht. Das wollen wir nun nachholen.

Das Tal ist nur über die genannte Passstrasse erreichbar. So bleibt uns nichts anderes übrig als am nächsten Morgen wieder zurück nach Qazvin zu fahren um dann weiter in Richtung Tabriz zu gehen. Im Iran haben wir schon jede Menge an breiten Autobahnen gesehen und noch nicht wirklich ein Offroaderlebnis gemacht. Das wollen wir nun nachholen. Noch auf guter Strasse fahren wir in Richtung Kaspisches Meer. Es wird merklich heisser und als wir zu einem auf 300 m. ü. M. hohen Stausee runterfahren kommt noch ein unglaublich starker heisser Wind dazu. Die mindestens 70km/h starken Windböen machen uns zu schaffen und wir sind froh, in ein kleines Seitental abbiegen zu können.

An einem schönen Fluss entlang fahren wir entlang von grünen Feldern und Olivenplantagen. Die Landschaft ist geprägt durch die Landwirtschaft. Hinten im Tal beginnt dann der Spass. Auf einer schönen Schotterpiste fahren wir hoch ins Gebirge. Die Felder werden karger und es wird vor allem Korn angepflanzt. Wir kommen gut voran. Wir stoppen in der Nähe eines kleinen Dorfes neben einer Oase um uns langsam nach einem Zeltplatz umzuschauen. Keine zwei Minuten später stoppt ein kleines Auto neben uns und fünf Personen steigen aus. Eine Teheraner Familie ist hier auf Besuch, bei einer in diesem Dorf lebenden Tante. Wir kommen ins Gespräch und werden bereits im zweiten Satz eingeladen, die Nacht in ihrem Haus zu verbringen. Wir können praktisch nicht nein sagen und werden in ihren Garten eingeladen um Früchte zu pflücken. Wir werden verwöhnt mit sonnengewärmten Pflaumen und schnell wird noch jemand zurück geschickt, um eine Picknickdecke, noch mehr Essen und natürlich die obligate Wasserpfeife zu holen. So werden wir in diesem Paradiesgarten nach Strich und Faden verwöhnt und wir fühlen uns, als ob wir hier zu Besuch bei alten Freunden sind.

Als die Sonne beginnt unterzugehen, fahren wir ins Dorf zum Haus der Tante. Auf einem alten Ölbrenner wird der Boiler erhitzt und wir dürfen den Luxus einer warmen Dusche geniessen. Bald wird ein traditionelles Abendessen serviert und natürlich kommen noch weitere Dorfbewohner zu Besuch. Sie diskutieren miteinander, tauschen vielsagende Blicke aus und mustern uns von Kopf bis Fuss. Die besagte Tante hat vor uns gerade mal drei Ausländer gesehen, das sagt schon etwas aus über die Abgeschiedenheit des Dorfes. Kurz vor Mitternacht wird uns die Frage gestellt ob wir müde sind, die Antwort darauf schon wissend, bekommen wir in diesem Dreizimmerhaus ein eigenes Zimmer ausgelegt mit Matratzen und wir fallen bald in einen tiefen Schlaf. Die Teheraner Familie muss am nächsten Morgen auch wieder zurück und so fahren wir nach einem Frühstück zusammen los bis ins nächste grössere Dorf, wo sich unsere Wege trennen. Wir sind unglaublich dankbar für diese Bekanntschaft und die wunderschöne Gastfreundschaft, die wir geniessen durften.

Wir kommen schon bald wieder auf die Hauptstrasse von wo aus wir schnell vorankommend in Richtung Tabriz fahren, wo wir die letzten Tage im Iran verbringen, unser Material auf Vordermann bringen und den grossen Bazaar besuchen. Dazu feiern wir ein Jubiläum: Irgendwo in den Bergen haben wir den 20‘000. Kilometer unserer Reise zurückgelegt – wären wir alles dem Äquator nachgefahren, hätten wir nun die halbe Erdkugel umrundet.

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