header_asia55.jpg

09.07.2013

Iran: Faszinierendes Yazd und Esfahan

Von einer der ältesten Städte geht es weiter in eine der schönsten Städte der Welt. In Yazd wie in Esfahan geniessen wir jeden Moment und lernen immer mehr über dieses faszinierende Land.

Von Shiraz fahren wir nach Yazd, eine der ältesten Städte der Welt. Zwischen den sonnengetrockneten Lehmbauten, in den engen Gässchen in denen man sich nur allzu leicht verläuft, scheint die Zeit stillzustehen. In der Mittagshitze regt sich kein Lüftchen, die Hitze ist fast unerträglich – doch nur fast. Denn die Bewohner dieser einzigartigen Stadt haben sich schon vor Jahrhunderten einiges gegen die Hitze einfallen lassen. Badgirs, Windtürme, fangen jeden noch so kleinen Windstoss ein und leiten ihn in die darunterliegenden Räume, im Idealfall über einen Teich mit kühlem Wasser. Unterirdische Wasseradern, Qanats, werden ausserdem von den Bergen in die Stadt geleitet. Sie werden noch heute für die Trinkwasserversorgung sowie zum Bewässern der Gärten gebraucht. In einigen der Altstadthäuser sieht man die Qanats in den Kellern, in denen es dank der Tiefe und des kühlen Wassers nicht mehr als 20°c warm wird.

Wir lassen uns leiten von den Gerüchen und Klängen und erleben so viele schöne Begegnungen. Wo wir auch hinkommen, sind wir willkommen.

Staunend spazieren wir durch die engen Gassen, entdecken immer neue Abzweigungen und hinter jeder Ecke verbergen sich neue Überraschungen. Hier der Bäcker, der gerade seinen Ofen angeworfen hat und dran ist, Fladenbrot auszurollen, dort die Werkstatt des Schreiners, der ein altes, farbiges Fensterglas restauriert und um die nächste Ecke das Atelier, in dem Ledersattel gefertigt werden. Wir lassen uns leiten von den Gerüchen und Klängen und erleben so viele schöne Begegnungen. Wo wir auch hinkommen, sind wir willkommen. In einem der traditionellen Häuser ist ein Hotel entstanden, hier finden wir eine Unterkunft und drei neue Freunde. Die Sprachbarriere ist spätestens dann durchbrochen, als Simon sie reihum im Backgammon schlägt, Runde um Runde Tee wird ausgegossen, gelacht und im Wechsel zwischen Berndeutsch und Farsi gewetteifert, wer als nächstes gewinnen wird.

Fast fühlt es sich an, als ob uns die Stadt noch etwas länger dabehalten wolle, als bei unserer Abfahrt die Transalp nicht anspringt. Aber nein, es ist die Batterie, deren Flüssigkeit der grossen Hitze zum Opfer gefallen ist. Das Problem ist bald gelöst und wir fahren los, zum nächsten Höhepunkt, wie sich bald herausstellen wird. Die Route führt uns durch Wüste und Berge, wo auch heute noch Nomaden ein traditionelles Leben führen. Insgesamt leben in den verschiedenen Bergregionen des Irans immer noch rund 1 Million Nomaden. Während der Fahrt durch die wunderschönen Hügelzüge können wir mehrmals ihre einfachen Zelte in der Ferne ausmachen.

Esfahan, für uns seit langem der Klang des Fernwehs, eine Stadt, in der man wohl nie genug Zeit verbringen könnte, packt uns von Beginn weg. So begeistert sind wir von der Fussgängerfreundlichkeit dieses Ortes, dass wir jede Ecke zu Fuss erkunden und so täglich 10-15 km zurücklegen. Wir geniessen es ebenso, dem Zayandeh Fluss mit seinen 11 Brücken (davon einige bis zu 600 Jahre alt) und ausgedehnten Parkanlagen entlangzuschlendern wie im Labyrinth des Bazaars die Orientierung zu verlieren oder einfach nur staunend im riesigen Dom der verschiedenen Moscheen zu stehen. Bei Nacht ist alles wunderschön beleuchtet. Das Zentrum der Stadt - und wir wagen zu vermuten, auch des Irans - ist der Naqsh-e Jahan Square, der zweitgrösste Platz der Welt. Der Bazaar startet hier, ebenso stehen hier zwei Moscheen und ein historisch wichtiger Palast. Hier scheint sich all das in Harmonie zu vereinen, was den Iranern wichtig ist: Gemeinschaft, lebhaftes Wirbeln und familiäre Picknicks neben ehrfürchtigem Innehalten und Gebet, kaum erfassbare Schönheit und Vollkommenheit, doch nicht prunkvoll, sondern selbstverständlich und schlicht, als Teil der Geschichte und Tradition. Über einen Aspekt Letzterer erfahren wir in einem Gewölbekeller voller Teppiche mehr. Ali gibt uns eine Einführung in die Symbolik der Teppiche, die von Nomaden geknüpft werden. Wir sind sehr fasziniert von diesem alten Handwerk und nehmen unseren Hochzeitstag als Anlass, uns einen kleinen Kilim anzuschaffen, der uns in Zukunft an den Iran erinnern wird.

Wir erleben die Iraner als ein Volk, das einerseits sehr stolz ist auf seine Geschichte und Tradition, andererseits fühlen wir sehr häufig eine grosse Unsicherheit und Angst über den Ruf des Irans im Ausland. Es liegt den Iranern viel daran, nicht auf die Themen reduziert zu werden, mit denen ihre Regierung im Ausland für Schlagzeilen sorgt. Zufriedene Touristen sind ihr höchstes Glück – denn sie werden die Nachricht weitertragen, dass der Iran weit mehr zu bieten hat: Ein Reichtum an Geschichte und Tradition, atemberaubende Architektur und eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft, nach der man in Europa lange suchen müsste.

logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
logo small
play
←   zurück
↑   nach oben   ↑
weiter   →