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30.06.2013

Iran: Geschafft!

Mit Spannung haben wir ihn erwartet, den zweiten Einreiseversuch in den Iran. Der Weg ist lang, die Formalitäten zermürbend – doch der Iran empfängt uns mit einer Wärme und Herzlichkeit, für die sich die Mühe allemal lohnt.

Am Dienstagmorgen ist es soweit: um 8 Uhr können wir bei der iranischen Botschaft in Dubai unsere Visa abholen und innerlich bereits ein erstes Mal aufjubeln: die Gültigkeit beträgt 30 Tage! Sofort geht’s weiter zur Fährengesellschaft, die Tickets besorgen, auch hier läuft alles wie am Schnürchen. Die Fähre verlässt Dubai am selben Abend und wir sind mit an Bord. Nach einer Nacht auf der etwas rauen See erreichen wir Bandar Abbas um 9.30 Uhr. Soweit waren wir vor 2 Wochen auch schon mal, unsere Nervosität steigt. Die Angestellten der Fähre wie auch diejenigen des Hafens erkennen uns wieder, viele wünschen uns Glück.

Unser Lächeln ist müde, doch die Freude ist da. „Welcome to Iran“ sagt der Wächter am Tor des Hafens und wir brausen los in ein neues Land, eine neue Welt.

Die Passkontrolle ist kein Problem, bald können wir erste Zettel zu unserem Motorrad ausfüllen. Dies fühlt sich gut an und so langsam fassen wir Mut. Die netten Bekanntschaften von der Fähre helfen uns beim Übersetzen, so erreichen wir bald einmal das richtige Büro, wo weitere Formalitäten anstehen. Von dort geht’s weiter zur 2 km entfernten Shipping Company – ein Stempel hier, ein Formular dort, ein Geldschein am nächsten Ort. Dann zurück zum Hafen, zum Zoll, wieder zurück, zum nächsten Büro, zum nächsten Beamten. Es ist schon Mittag, als wir unser Carnet de Passages, den „Pass“ unseres Motorrades mit dem richtigen Stempel überreicht bekommen. Somit wäre eigentlich die ganze Prozedur beendet, finden wir. Doch die iranische Bürokratie sieht das anders. Erst um 17 Uhr spricht der Beamte, der uns die letzten mühsamen 2 Stunden noch beigestanden ist, die erlösenden Worte aus: „finished!“ – gute 7 Stunden sind wir zwischen insgesamt über 20 verschiedenen Beamten hin und her geschickt worden. Unser Lächeln ist müde, doch die Freude ist da. „Welcome to Iran“ sagt der Wächter am Tor des Hafens und wir brausen los in ein neues Land, eine neue Welt.

Von der feuchtheissen Hafenstadt Bandar Abbas fahren wir am Donnerstag durch die eindrückliche Berglandschaft Richtung Shiraz. Die trockenen, kargen Berge halten stoisch der gnadenlosen Sonne stand, weit und breit ist kein Zeichen von Leben zu sehen. Doch je weiter nördlich wir kommen, desto fruchtbarer wird das Land. Grosse, goldene Getreidefelder wogen im leichten Wind, auch immer mehr grüne Flecken sind auszumachen. Riesige Ziegen- und Schafherden weiden vor der malerischen Bergkulisse, deren Enden sanft auslaufen.

Shiraz – die Stadt der Dichter, der Nachtigallen und des Weins, der hier leider nicht mehr verarbeitet wird. Hier legen wir am Freitag erstmals einen Ruhetag ein: Freitag ist hier der Sonntag, alle Geschäfte sind geschlossen, es sind kaum Menschen unterwegs. Tags darauf besuchen wir den wunderschönen, gedeckten Bazaar, essen Dizi (traditionelles iranisches Gericht mit Ziegenfleisch) und bringen unsere ersten Sätze in Farsi zustande. Händler zeigen uns ihre immensen Teppiche, nebenan werden in Körben Datteln, Walnüsse und Mandeln feilgeboten, der Geruch nach frischen Melonen und Wasserpfeifen steigt uns in die Nase und wir geniessen frische Kirschen und Pflaumen. Immer wieder werden wir angesprochen. Die Herzlichkeit der Menschen berührt uns – bereits im Hafen wurden wir von einer Familie zu einer Hochzeit eingeladen, die jedoch leider für uns zu weit weg stattfinden wird. Einen Nachmittag lang verbringen wir mit Tahar, einem jungen Iraner, den wir im wunderschönen Garten des Grabes vom Dichter Hafez – der iranische Nationalheld – kennenlernen. Gemeinsam mit ihm besuchen wir auch den botanischen Garten, ein wunderbar friedlicher Ort.

In Shiraz kann man auch eintauchen in die alte Geschichte: in der Nähe liegt Persepolis. Vor 2500 Jahren war diese Stadt das Herzstück des antiken Perserreichs, welches sich vom Indus-Fluss im heutigen Pakistan bis hin nach Äthiopien erstreckte. Die massiven Tore, die hochaufragenden Säulen und die detaillierten Steinreliefs sind alle auf einer grossen Steinterrasse errichtet worden und wirken darum umso imposanter. Der Rundgang durch die Gebäude und Paläste lässt uns staunen. Die Reliefs erzählen Geschichten aus uralter Zeit, stramm marschierende Soldaten, Geschenkträger mit Kamelen, wertvollen Stoffen oder Waffen, Besucher des Königs aus verschiedensten Ländern, erkennbar an ihren Trachten.

In der Nähe von Persepolis liegen auch die Könige dieser Zeit begraben. In riesigen, aus dem Fels gehauenen Grabstätten befinden sich – so glaubt man heute – Darius‘ I und II sowie Xerxes‘ und Artaxerxes‘ letzte Ruhestätten. Es ist kaum vorstellbar, welche Mühe und Präzisionsarbeit der Bau dieser Gräber vor 2500 Jahren gekostet haben müssen.

Wir sind begeistert von diesem Land, von dem man im Westen unberechtigterweise so oft nur schlechtes hört. Wir freuen uns sehr darauf, weiterhin Neues zu entdecken und dies mit euch zu teilen.

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