header_53

22.06.2013

Oman: Im Hinterland von Nizwa

In und um Nizwa herum erfahren wir mehr über Kultur und Geschichte vom Oman. Daneben sind wir immer wieder beeindruckt von den atemberaubenden Aussichten und lassen es uns nicht nehmen, die spektakulärsten Landschaften mit dem Motorrad zu erkunden.

Die Fahrt nach Nizwa ist heiss. Temperaturen um die 46° C bringen uns auf den wunderschönen Strassen zum Schwitzen und mehr als einmal bleibt unser Blick neidisch an den scheinbar unbeteiligten Kamelen hängen, die kauend am Strassenrand stehen. Wir fühlen uns, als wären wir in einem überdimensionierten Haarföhn gefangen, der uns gnadenlos heisse Luft ins Gesicht bläst – kühler Fahrtwind, das war einmal. Umso glücklicher sind wir, als wir unser nächstes Ziel erreichen, das kleine Städtchen Nizwa im Hinterland vom Oman. Hier erwartet uns eine junge Inderin, die seit einiger Zeit hier unterrichtet. Unsere Gastgeberin führt uns noch am gleichen Abend zum Fort von Bahla, welches zwar nur von aussen betrachtet werden kann, jedoch von traditionellen Häusern umgeben ist, deren Wände aus Stroh und Lehm hergestellt wurden. Ein ähnliches Dorf, welches jedoch auch heute noch bewohnt ist, besuchen wir gleich anschliessend. Die letzten Sonnenstrahlen des warmen Tages lassen die ockerfarbenen Häuser leuchten, die Palmen wogen in der leichten Brise und von überall ist Wasser zu hören. Es fliesst in den Falajs, den traditionellen Wasserkanälen. Mit ihnen wird Wasser in die Häuser sowie in die Plantagen geführt. Mit ausgeklügelten Mechanismen lässt sich steuern, wann wo wie viel Wasser hinsoll.

Donnerstags besuchen wir am Morgen den Souq von Nizwa, wo Männer, gekleidet in den hier üblichen Dishdashas (weisse lange Hemdkleider) und den traditionellen bestickten Käppchen, um frische Datteln, Fische und geflochtene Körbe feilschen. Mitten im Souq thront der Stolz Nizwas: das Fort. Es wurde im 17. Jahrhundert erbaut und besticht vor allem durch den mächtigen Turm in seiner Mitte, von dem Feinde nicht nur von weiter Ferne erkannt werden konnten, sondern auch mit effizienten und hinterlistigen Methoden vor dem Angreifen abgehalten werden konnten. So wurde durch eigens dazu erbaute Rohre kochender Dattelsirup – oder noch schlimmer Öl – über Eindringlinge gegossen. Zahlreiche Falltüren und verschachtelte Gänge lassen vermuten, dass es nicht einfach war, das Nizwa Fort zu erobern. Glücklicherweise ist dies heute anders und Fremde werden mit offenen Toren empfangen.

Am Nachmittag schauen wir uns mit unserer Gastgeberin dann auch noch das Jabrin-Schloss an. Auch hier erhält man Einblick in früheres Leben. Eine Küche mit grossen Kochtöpfen, ein Dattellager, Konferenzräume, Gefängnisnischen, ein Gerichtsraum. Und dann gibt es da noch den „Sonne-Mond-Raum“, dessen Fenster so gebaut sind, dass tagsüber die Sonne nicht zu stark hereinscheint, dafür aber das Mondlicht eingefangen wird.

Karge, kaum bewachsene Felshänge in verschiedensten Farbtönen bestimmen das Bild, dazwischen tauchen in den Tälern palmenbewachsene, blühende Wadis auf.

Ein Höhepunkt unseres Oman-Aufenthaltes wird der Freitag. Morgens fahren wir über eine kurvige Strasse auf 2000 m.ü.M hinauf. Hier ist der Wind erfrischend kühl, einige omanische Familien haben ihr Picknick ausgepackt und geniessen die Weitsicht. Bis zuoberst ist die Strasse geteert. Die auf der anderen Seite wieder hinunterführende Strasse jedoch ist steinig. Doch genau diese Strecke haben wir uns für diesen Tag vorgenommen, denn die Landschaft ist schlicht spektakulär. Karge, kaum bewachsene Felshänge in verschiedensten Farbtönen bestimmen das Bild, doch dazwischen tauchen in den Tälern palmenbewachsene, blühende Wadis auf. Diese Kontraste und vor allem die Farbenvielfalt, die man hier kaum erwartet hätte, beeindrucken uns tief. Dennoch, die 40km sind anstrengend und wir freuen uns auch wieder über die auftauchende geteerte Strasse. Während wir weiterfahren, spüren wir auf einmal Regentropfen. Unsere Vermutung, dass die aufziehenden Wolken Regen ankündigen könnten, bewahrheitet sich. Wir halten kurz an und werden sogleich von drei Jungs in ihr Dorf eingeladen. Sie haben Erfahrung, was die kleinen Tropfen ankünden können… und tatsächlich schüttet es von einer Minute auf die andere wie aus Kübeln. Uns wird Tee serviert und wir plaudern mit den Dorfbewohnern. Nach etwa einer knappen Stunde ist das Spektakel vorbei und wir können weiterfahren. Dank dem Regen sind sogar die Temperaturen etwas zurückgegangen. Bald finden wir ein ideales Plätzchen, um wieder einmal unser Zelt aufzustellen. In den letzten noch hängengebliebenen Wolken fangen sich die späten Sonnenstrahlen und verfärben den Himmel lieblich rosarot. Bald verblassen die Farben und die Bühne wird frei für eine helle, klare Mondnacht – unsere letzte im Oman.

Mittlerweile befinden wir uns wieder in Dubai, wo wir die letzten Vorbereitungen treffen, um am Dienstag ein zweites Mal in den Iran aufzubrechen. Die Wahlen sind vorbei und es gibt viele Anzeichen, dass es diesmal klappen könnte. Weiterhin wissen wir nicht, ob wir von dort aus Zugriff auf unsere Website haben werden. Spätestens aus der Türkei werden wir uns hier wieder melden.

logo small
play
logo small
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
logo small
play
←   zurück ←   back
nav_left_icon
↑   nach oben   ↑ ↑   to top   ↑
nav_up_icon
weiter   → next   →
nav_right_icon