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08.08.2013

Bulgarien: Nostalgie in Veliko Tarnovo

Bulgarien bildet den Auftakt zu unserem letzten Reisemonat. Eine neue Schrift, mittelalterliche Burgen, Wein und ein Schuss Sowjetnostalgik sorgen dafür, dass wir wieder einmal in eine ganz andere Welt eintauchen.

„Güle Güle“ wünscht uns das letzte türkische Schild, von nun an gilt es, möglichst viel aus den kyrillischen Zeichen herauslesen zu können.

Es scheint uns viel zu früh, Istanbul zu verlassen – doch es gibt noch viel zu entdecken in diesem letzten Monat Reisen. So lassen wir die Weltstadt und bald auch die Türkei hinter uns und machen uns bereit für neue Abenteuer. Es ist immer wieder faszinierend zu erleben, wie einzigartig jedes Land ist: Kurz vor der Grenze hören wir den letzten Muezzin zum Gebet rufen, während auf der anderen Seite bereits der erste Kirchturm auftaucht. „Güle Güle“ wünscht uns das letzte türkische Schild, von nun an gilt es, möglichst viel aus den kyrillischen Zeichen herauslesen zu können. Und das wird nicht der einzige Unterschied bleiben. Bis an den Horizont ziehen sich nun weite Sonnenblumenfelder, am Strassenrand wächst Schleierkraut, neben einfachen Backsteinhäusern stehen einzelne verlorene, längst verfallene Sowjetbauten, oftmals verrostet. Müde Esel grasen vor weiss getünchten kleinen Kirchen, deren heller Glockenklang einsam in den Dörfern verhallt. Die nostalgisch melancholische Atmosphäre spüren wir auch in Veliko Tarnovo, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen.

Als Kandidat für die Europäische Kulturhauptstadt 2019 nominiert, sind in diesem Städtchen zahlreiche aufwändige Restaurationsarbeiten in Planung, in Arbeit oder bereits abgeschlossen. Dem Fluss Jantra entlang spazierend, der sich ähnlich wie die Aare Bern in einer Schlaufe um die Stadt windet, besuchen wir einige der insgesamt 18 Kirchen, von denen viele aus dem 13./14. Jahrhundert stammen, der Blütezeit Velikos. In der überschaubaren Altstadt hat es zudem wunderschöne, teilweise mit Reben bewachsene Häuser. In den unebenen Kopfsteingassen fühlt man sich in alte Zeiten zurückversetzt und würde nicht staunen, wenn statt Autos beladene Esel um die Ecke trotteten.

Zu vorderst in der Flussschlaufe des Jantras und hoch oben am steilen Berghang thront das alte Zarenschloss aus dem Mittelalter, auch weitere Hügel rundherum sind befestigt. Veliko Tarnovo – übersetzt „Ruhmreiches Tarnovo“ – war einst Hauptstadt des Bulgarischen Reiches.

In einem PECTOPAHT, einem Restaurant, gibt’s abends Salat, Kartoffeln und Fisch – und dazu, nach langer muslimisch- und Ramadan-bedingter Abstinenz, ein Bier. Dies so in aller Öffentlichkeit zu trinken kommt uns zuerst schon etwas komisch vor. Unsere Hemmung schwindet aber, als wir sehen, dass die Bierflasche in einigen Cafes schon am frühen Morgen ganz selbstverständlich auf den Tischen stehen. Im Land, wo Weinbau ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, darf natürlich auch ein feiner Rotwein nicht fehlen. So schwelgen wir in den kulinarischen wie auch kulturellen Höhenflügen, geniessen das Grün der Flusslandschaft und staunen darüber, mal wieder in einer komplett anderen Welt gelandet zu sein.

Unsere weitere Route wird uns während dem letzten Monat Reisen durch folgende Länder führen: Bulgarien, Rumänien, Bosnien, Serbien, Kroatien, Slowenien, Österreich, Schweiz.

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