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13.12.2015

Bolivien: In der Salzwüste von Uyuni

Sucre, die schöne Hauptstadt Boliviens, lassen wir hinter uns. Wir fahren weiter in die Salzwüste. Surreale Farben, kristallklarer Himmel und unser erster motorradtechnischer Zwischenfall sind einige der bleibenden Eindrücke dieser einzigartigen Region.

Doch bevor wir in die Salzwüste kommen, erreichen wir eine mittelgrosse Stadt Namens Potosi. Auf den ersten Blick eine ganz normale Minenstadt, wie wir sie schon etliche Male in Bolivien und auch in Peru passiert haben. Treffend heisst der Hausberg „Cerro Rico“, was „Reicher Gipfel“ bedeutet. Die Spanier haben in diesem Berg so viel Silber abgebaut, dass der Berg heute praktisch ausgehöhlt ist. Der Gipfel, momentan auf knapp 4‘800 m.ü.m. sinkt heute jedes Jahr um einige Zentimeter ein. Während den 300 Jahren spanischer Kolonialherrschaft starben in diesem Berg Schätzungen zu Folge 8 Millionen Menschen. Die versklavten Indios konnten nicht schnell genug ersetzt werden, so dass auch Sklaven aus Afrika in den Minen eingesetzt wurden. Auch heute arbeiten weiterhin etwa 15‘000 Bolivianer unter unvorstellbaren Bedingungen in diesem Berg. Der Hauptteil des Reichtums haben die Spanier aber mitgenommen, heute wird vorallem noch Zink abgebaut.

Die Mine gehört jetzt einer Genossenschaft der Arbeiter, was bedeutet, dass immerhin der Ertrag im Lande bleibt. Die Arbeitsbedingungen sind aber so ungesund, dass die Lebenserwartung der Männer auf 40 Jahre sinkt, man sagt, dass nach 10 Jahren in den staubigen Stollen noch 50% der Lunge Sauerstoff aufnehmen kann, dies wohlgemerkt in dieser ohnehin schon dünnen Luft. Die Mine kann man besichtigen, uns graut aber davor, uns in dieses Massengrab hinab zu begeben in dem noch heute so viele Menschen arbeiten, unbeeindruckt von der tragischen Vergangenheit und Gegenwart. „Der Berg, der Männer isst“ ist ein tragisches Beispiel eines Teufelskreises von Armut, schlechter Gesundheitsversorgung und Perspektivlosigkeit.

Auf guter Strasse fahren wir weiter in Richtung Uyuni, die Ausgangsstadt zum Besuch der „Salar de Uyuni“, der grössten Salzwüste der Welt. Am frühen Nachmittag sehen wir die Stadt, die den Witterungen zu trotzen scheint. Im Winter wird es hier bis zu -20°C kalt, auch jetzt, zu Beginn des Sommers geht ein starker Wind. Weit und breit nur karge Wüste, kein Baum, nicht mal ein Busch ist in Sichtweite und hinter der Stadt soweit das Auge reicht, die Salzwüste.

Erlaubt uns hier an dieser Stelle einen kurzen Exkurs zum Benzin in Bolivien. In diesen einsamen Gegenden ist ein genügender Vorrat natürlich immer ein Muss um sicherzustellen, dass man nicht irgendwo im Nichts mit Nichts dasteht. In Bolivien ist das Benzin stark subventioniert: Ein Liter kostet etwa 40 Rappen. Aber nur für die Bolivianer! Alle mit einem ausländischen Nummernschild bezahlen das Dreifache, etwa 1.20 Franken. Aber das ist hier nicht der Punkt. Diese Fremdensteuer wird mit einer speziellen Quittung verrechnet, die nur wenige Tankstellen und nur diejenige in grösseren Städte haben. Wollen wir die Reservekanister füllen, ist das nicht der Tank des Fahrzeuges, wir bezahlen den Preis der Bolivianer, die Tankstellenwärterin meint aber allen ernstes, dass wir die Differenz zum Touristenpreis ihr persönlich vermachen. Wir lehnen dankend ab. Das ist unser erstes Erlebnis an einer Bolivianischen Tankstelle. An der zweiten Tankstelle bekommen wir zwar eine Quittung, aber nur zu dem Preis, den die Bolivianer zahlen würden, die Differenz geht zweifellos in die eigene Tasche. Bei der dritten bezahlen wir so quasi den Durchschnitt, bekommen dafür natürlich keine Quittung. Was mit der Differenz passiert, dürft ihr drei Mal raten. Dazu kommt, dass das Benzin von so schlechter Qualität ist und wohl mit Wasser gepanscht, dass unser grünes Eselchen ständig am Bocken und am Husten ist. Das sind so einige der Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen, hier in diesem sonst so schönen Land Bolivien. Ende des Exkurses.

Vollgetankt, also Esel und Reiter, fahren wir von Uyuni noch eine kurze Strecke auf der Strasse in Richtung Norden, um dann links auf die Salzebene abzubiegen. An den meisten Stellen ist die Oberfläche hart und gut befahrbar. Spuren der Allradjeeps weisen den Weg und wir fahren guten Mutes in den Sonnenuntergang. Man sieht am Horizont mehrere Felsen, die wohl zu der Zeit, wo das ganze hier noch ein See war, Inseln bildeten. Dort wollen wir unser Zelt aufschlagen. Kein Problem, wir biegen einfach ab von der Spur und fahren auf eigene Faust zur nächsten solchen Insel. Plötzlich kommt Wasser: Normalerweise unerkennbar, da quasi in der obersten Salzschicht aufgelöst, spritzt es aber dann doch relativ heftig, als wir da rein fahren. Da der Untergrund aber immer noch hart ist, und wir uns vollends bewusst sind, dass wir nachher unser Motorrad waschen müssen, fahren wir weiter. Die Schuhe und das Motorrad werden mit einem schönen weissen Zuckerguss wie auf dem Lebkuchen überzogen. Die Oberfläche ist nicht immer glatt, die Kristallstruktur hat fünfeckige Waben über die ganze Ebene gezogen, die sind aber nicht wirklich hart und beim drüberfahren merkt man kaum etwas. Die Ränder der Waben werden aber immer grösser, so dass wir nur noch mit Schritttempo vorankommen. Die Distanz zur Insel ist schwer einzuschätzen, es gibt keine Anhaltspunkte. Aber auch diese Buckelpiste schaffen wir.

Dann geht es wieder ganz flott auf glatter Oberfläche weiter bis plötzlich das Hinterrad durch die Kruste bricht. Der unterdessen in aller Demut nicht mehr ganz unerfahrene Fahrer gibt automatisch Gas um wieder auf die Kruste zu kommen, vergebens. Wir stecken fest, das Hinterrad bis über die Achse im Salz und Schlamm eingelocht. Das Motorrad steht auch ohne Seitenständer. Von der Jeepspur sind schon über 15km abgebogen, von da ist also keine Hilfe zu erwarten. Wir nehmen alles Gepäck ab um das Gewicht zu reduzieren, hilft auch nichts. Erst durch starkes Anheben des Hinterrades kommt wieder Bewegung in die Sache und wir können unser nun weisses Eselchen auf sicheren Grund manövrieren. Die Beifahrerin muss zur noch etwa 2km weiten Insel laufen um das Gewicht zu reduzieren, das Hinterrad droht noch mehrmals einzubrechen, mit genug Schuss erreicht der Fahrer aber der sichere Schotter der Insel. Bei einem wunderschön blühenden Kaktus stellen wir das Zelt auf, essen noch ein wenig und verkriechen uns in unsere Casita. Als es komplett dunkel ist schauen wir nochmals kurz aus dem Zelt: Der Himmel wolkenlos, mondlos und keine Lichtverschmutzung weit und breit, der Sterne funkeln spektakulär! Die Sorge, wie wir uns am nächsten Tag wieder aus diesem Schlamassel herausmanövrieren werden, verschieben wir auf den nächsten Tag.

Nach einer angenehmen Nacht, packen wir alles zusammen. Wir haben bereits am Abend vorher mehrere Motorradspuren auf dem Schotter der Insel gesehen und wir entscheiden uns, diese zurück zu verfolgen. So umkreisen wir die Insel, die Spur wird breiter, problemlos erreichen wir eine befestigte Schotterpiste, die uns auch wieder zurück auf die Strasse und zurück nach Uyuni bringt.

Wir füllen nochmals den Tank, also Esel und Reiter, und fahren am frühen Nachmittag mit einem für nur sehr sehr sehr kurze Zeit sauberen Motorrad weiter auf der Route 21 in Richtung Tupiza. Route 21, erinnert ihr euch noch? Auf der Strasse mit der selben Nummer haben wir unsere schöne Transalp auch in Laos schon mal versenkt, hier der Link dazu. Wir sind uns bewusst, dass uns 200km Schotter erwartet, aber nicht wie schlecht die Strasse wirklich sein wird. Die unterschiedlichen Gesteinsarten werden durch das Gewicht der Lastwagen zu harten kleinen Buckeln vermengt. Mit dem Motorrad höchst unangenehm zu fahren weil alles zu Vibrieren beginnt. Schritttempo ist mancherorts die einzige mögliche Geschwindigkeit oder halt sogar auf die Wüste nebenan auszuweichen, was offensichtlich noch andere machen. So splittet sich die Strasse zu einem Netzwerk auf, und wir schlängeln uns durch. Wir schlucken Staub, viel Staub! Doch die Landschaft ist wunderschön. Wir fahren an einem Vulkan vorbei, durch Täler, Wüste mit sich abwechselnden Farben, kleine Dörfer und immer wieder neben riesigen Lama- und Schafherden.

Vorgesorgt haben wir Proviant und Wasser für mehrere Tage dabei. Wir stellen unser Zelt auf halber Distanz auf, 100km an einem Nachmittag, alles schmerzt. Am nächsten Tag wird die Strasse abschnittsweise etwas besser und wir erreichen am Mittag Tupiza und somit die Teerstrasse. Von dort aus ist es noch einen Katzensprung an die Grenze zu Argentinien. Doch zum bisher mühsamsten Grenzübergang wohl seit der Erfindung der Grenze überhaupt mehr im nächsten Bericht.

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